Der innere Besserwisser und die Bereitschaft für nächsten Bewusstseinsschritt

aus der Reihe: „Das innere Team und die Arbeit mit einzelnen inneren Aspekten

Die besserwisserische Besserwisserei

Klar wissen wir irgendwo alles besser! Dafür müssen wir uns selbst (in unserem Inneren) oder andere nicht ständig belehren und runtermachen – oder doch? Was bedeutet eigentlich dieses Runtermachen? Kann es sein, dass uns, wenn wir mit beiden Füssen, wie der Fels in der Brandung, fest auf dem Boden stehen würden keiner mehr „runtermachen“ könnte? Ist dieses empfundene „Runtermachen“, „Erniedrigen“ bzw. „Kleinmachen“ nicht nur ein Zeichen dafür, dass wir nicht in uns, in unserem Wert und unserer Welt gefestigt sind? Weil, wie schon in früheren Artikeln öfters erwähnt: Wir gehören in unsere eigene Welt. In ihr haben wir unseren festen, den optimalsten, den richtigen Platz, die richtige Größe, den richtigen Wert. In unserer eigenen Welt sind wir (!) die Meister und wir (!) wissen es dort am besten! Wenn wir also jemanden als besserwisserisch empfinden, worüber informiert uns solches Gefühl? Schweben wir in dem Augenblick vielleicht irgendwo in den Wolken statt optimal geerdet, auf dem Boden der Tatsachen zu sein? Kann dieses „Runtermachen“ vielleicht ein einfacher Test unserer „Bodenhaftung“ sein?

Denken wir gemeinsam darüber nach:

  • Wann hatten wir zuletzt das Gefühl, dass uns jemand belehrt?
  • Was hat es in uns ausgelöst – dieses Gefühl, dass wir belehrt werden? Ablehnung, Widerstand, Wut, Aggression, Traurigkeit, Ohnmachtsgefühl, Hilflosigkeit oder hegten wir Bewunderung dieser Person gegenüber?
  • Wären wir am liebsten aufgestanden und gegangen? Und … haben wir es getan? Wenn nicht – warum nicht? Ergründen sie ihre Argumente, warum sie es nicht getan haben … (vielleicht aus Höflichkeit oder aus Angst vor Konsequenzen oder aus Strategiegründen, um die Erreichung ihrer Ziele nicht zu gefährden … oder war es doch etwas anderes?)
  • Was hätten wir diesem Menschen am liebsten gesagt, haben es aber für sich behalten?
  • Über was hätten wir ihn gerne belehrt, hätten wir den Mut dazu gehabt?
  • Wann hatten wir zuletzt das Gefühl, einem Besserwisser gegenüber zu stehen?
  • Was hat dieser Mensch mit seiner, von uns empfundenen, Besserwisserei in uns ausgelöst?
  • Hätten wir am liebsten etwas (dagegen) gesagt? Argumentiert? Besser gewusst?
  • Haben wir gewusst, gespürt, dass er es nicht besser weiß?
  • Wann hatten wir zuletzt das Gefühl, dass uns jemand erniedrigt, runtermacht oder sich auf unsere Kosten selbst auf ein Podest stellt?
  • Was hat so ein Verhalten dieses Menschen in uns ausgelöst? Kleinheit oder nur das Gefühl, dass er uns klein kriegen will? Lernen wir hier zu unterscheiden!
  • Was hätten wir in der Situation am liebsten getan, hätten wir den Mut dazu?
  • Hätten wir ihn am liebsten von seinem „Thron“ runtergeholt, gestoßen?

BesserwisserWie sie sehen, in jeder auch so scheinbar für einen ungünstigen Situation, versteckt sich in uns genauso ein kleiner innerer Belehrer – weil wir ihm gerne über sein Tun belehren würden, Besserwisser – weil wir insgeheim besser wissen, dass er es nicht besser weiß und kaum zu glauben – sogar ein „Runtermacher“, da wir gerne denjenigen, der sich auf unsere Kosten erhöht, von seinem illusorischen Thron stürzen würden. Oder (?!) … sind wir soweit, solchen Menschen ihren Thron zu lassen, ohne dass uns ihre Einstellung (uns gegenüber) kränkt und schmerzt und Traumas verursacht, wegen denen wir dann jahrelang therapiert und geheilt werden müssen?

Verstehen sie jetzt besser das Spiegelgesetz? Wie Innen so Außen? Einen fremden Besserwisser können sie nicht ändern, sie können aber mit dem eigenen inneren Besserwisser arbeiten! So verändern sie die persönliche Resonanz auf der Ebene der Besserwisserei! Und das ganz „einfach“, durch die Annahme und Anerkennung, statt der Ablehnung. Haben sie ihren eigenen Besserwisser und (Be)Lehrer und (Be)Herrscher lokalisiert, erkannt und ihm sein Recht auf das Sein zugestanden, dann braucht im Außen sie niemand mehr besserwisserisch zu provozieren.

Haben sie also auf die Frage, ob sie in der letzten Zeit jemand erniedrigt, runter gemacht, bzw. es versucht hat, mit einem „ja“ beantwortet, so können sie sich selbst fragen, wo und wie oft und warum sie sich selbst erniedrigen, runter- und kleinmachen und runterziehen! Was für einen Grund haben sie dazu???

Die innere Belehrung und ihr Sinn

Nun, manche würden schon an dieser Stelle „Heureka“ schreien. Sie würden meinen, dass sie sich endlich in der „Selbsterniedrigung“ erkannt haben! So können sie sich sofort in die Befreiungsarbeit stürzen um den inneren Übeltäter zu eliminieren! Heilen, transformieren, Blockaden, Traumata erkennen und entfernen was das Zeug hält. Nur, dann wäre mein Artikel auch schon zu Ende und das sieht meinem Artikel irgendwie nicht ähnlich.

Für mich gibt es tatsächlich noch eine weitere Möglichkeit, eine erweiterte Stufe des Erkennens und der Annahme.

Wie ich in meinen BewusstseinsCoaching-Büchern[1] immer wiederhole: Aus meiner Sicht hat alles einen und sogar seinen eigenen Sinn. Aus dieser Betrachtungsweise muss der innere Miesepeter auch einen Sinn, seinen eigenen Sinn haben! Aber welchen? Nur, weil wir ihn nicht sehen und nicht verstehen bedeutet es nicht, dass es ihn nicht gibt! Es bedeutet nur, dass wir in dem Moment von unserem Miesmacher-Aspekt getrennt sind. Wären wir eins mit ihm, würden wir über unseren Sinn in der Rolle des inneren Besserwissers und/oder Belehrers und/oder des „Erhöhten“ besser wissen. ;)

Solange wir jedoch diese Rollen noch verurteilen, solange werden wir von ihnen und Teilen unserer Selbst getrennt und unser Blick für den Rollensinn getrübt sein.

Am Anfang habe ich diesen Satz geschrieben: „Kann dieses ‘Runtermachen’ vielleicht ein einfacher Test unserer ‘Bodenhaftung’ sein?“ Eigentlich habe ich damit schon einen Hinweis hinterlassen. Wenn wir die Frage als eine Möglichkeit annehmen, so kommen wir dem gesuchten Sinn doch einen Schritt näher und müssen vor dem Fall in die „Kleinheit“, in die Tiefe, vor dem Runterziehen, Runterdrücken und Unterdrücken keine Angst haben. Weil … merken wir uns einmal in einer Situation, dass wir ins Wanken gekommen sind, dann können wir uns denken, dass uns die Situation bzw. das Empfinden darauf hinweist, dass wir das gewohnte Terrain verlassen bzw. den Boden unter den Füßen verloren haben, dass wir nicht mehr felsenfest stehen. Und? … für diese Information können wir tatsächlich dankbar sein, weil wir uns unmittelbar korrigieren können! Wir können uns besinnen! Wir können landen! Wir können ankommen und wenn es nicht geht, können wir uns der Tatsache entsprechend einrichten und beispielweise keine anstrengende Autofahrt antreten, wenn wir wissen, dass wir aus unserer Mitte und somit eigentlich gar nicht fahrtüchtig sind.

Die aktuelle Kultur der (geistigen) Abwesenheit

Geistige AbwesenheitIn unserem menschlichen Leben gibt es sehr sehr viele Situationen, Ereignisse, Arbeiten und Berufe wo es wirklich enorm hilfreich wäre, wenn wir absolut konzentriert und geistesgegenwärtig wären. Oder wollen sie von einem Chirurgen operiert werden, der geistig gar nicht anwesend ist, während er in ihnen herum schnippelt? Schon alleine beim Kochen wäre es von großem Vorteil, wenn wir ganz bei eigenen Sinnen sind, damit sich unsere Muse entfalten und das Gericht mit den lebendigen Energien, die während dieser Tätigkeit durch uns fließen, bereichert und schmackhaft gemacht werden kann. Sind wir beim Kochen mit unseren Gedanken jedoch woanders, fließt die Energie dorthin, wohin sich unsere Aufmerksamkeit richtet, z.B. in eine Parallelwelt, die wir mit unserer Unaufmerksamkeit erschaffen. Im Essen bleibt eine Leere, ein abwesender Abdruck und speisende, genießenwollende Menschen werden auch ein unbestimmtes, noch-immer-hungrig-leeres Gefühl bekommen.

Wäre das nicht großartig, wenn sich in so einem (in unserer Gesellschaft weit verbreiteten) Abwesenheitsaugenblick unser innerer Besserwisser meldet und es „besser“ weiß, was zu tun ist, damit wir wieder ankommen und uns auch belehrt wie wir es anstellen sollen um uns von Wolke XY runterzuholen?

Haben wir diese besserwissende Stimme in uns, hören wir aber auf sie nicht, muss sich unserer Besserwisser zu helfen wissen um bei uns durchzukommen! Augenblicklich taucht jemand im Außen auf, der nur durch einen einfachen Blick, ein Wort, eine Handbewegung oder Schulterzucken in uns das für die Situation Passende auslöst. Oft ist die innere Reaktion ein heftiger Ärger, durch den wir im „Hier und Jetzt“ landen. Wären wir auf „dem Boden“ gewesen, hätte uns kaum einer alleine durch eine verbale oder nonverbale Bemerkung „runterholen“ können – ist doch logisch, nicht wahr?

Der ultimative Test der Bereitschaft für den nächsten Bewusstseinsschritt

So kann es also tatsächlich sein, dass unser eigener innerer Besserwisser eine kreative Aufgabe innerhalb unserer eigenen Entwicklung, Bewusstwerdung und sogar Erleuchtung hat. Er hat vielleicht die Aufgabe übernommen, unsere Bodenständigkeit (statt Abgehobenheit) immer wieder zu testen (um zu wissen, ob wir für das „nächste“ Wissen, das energetisch und bewusstseinsmässig höher geladen ist als wir es gewohnt sind auch bereit sind) ob wir schon fähig sind, den nächsten BewusstseinsUpload bei geistiger und körperlicher Gesundheit zu überleben. Halten es unsere Nerven und unsere Psyche aus oder verbrennen sie und wir drehen durch?

Was/wem würde das nächsthöhere Wissen nutzen, wenn, kaum ein wenig daran geschnuppert, man auch schon den Löffel abgeben müsste?

Warum die gewählte Obrigkeit die „Schlechterwisser“ statt Besserwisser sind

Ja, wir haben eine konditionierte Aversion gegen jegliche Besserwisser. Wir wurden oft belehrt, kamen nicht zu Wort, vieles davon, was wir sagten und/oder taten, war angeblich Blödsinn. Dies ist aber bereits Geschichte! Oder wollen sie noch weiter diesen Widerstand in sich hegen? Wo wäre der gewünschte Frieden und Fortschritt? Ist es nicht möglicherweise so, dass (von uns) deswegen lieber unwissende Menschen in führende Positionen gewählt werden? Weil wir diese Antipathie haben? Damit keiner von oben auf uns herab schauen kann? Und damit auch wir endlich mit dem Finger auf sie zeigen und uns satisfaktorisch mit den Worten auf die Schulter klopfen können: „Sie wissen es doch auch nicht viel besser!“.

Die weltweite „Elite“ spiegelt derzeit die Aversion der Masse gegenüber „Besserwisserei“ – so ist es kein Wunder, dass sie es schlechter wissen und wir es ihnen auch (un)bewusst ansehen.

Was hätten wir dagegen, wenn „oben“ tatsächlich Menschen stehen, die etwas zu sagen haben, die es besser wissen?

Ist das nicht das, wonach wir uns sehnen?

Besser zu wissen, was wir tun können, damit es der Erde und uns demnächst und baldmöglichst besser geht?

Was ist dem gegenüber einzuwenden, wenn jemand besser in seiner eigenen Welt weiß als der Besucher solcher Welt?

Unsere Kleinheit bzw. das Kleinheitsgefühl kann öfters nur daran liegen, dass, obwohl wir in unserer eigenen Welt die „Weltmeister“ sind, wir in der Welt eines anderen als Schüler, ganz von „klein-auf“ anfangen. Viele Menschen haben einen inneren Konflikt mit sich, wenn sie sich einerseits wie ein Meister auf ihrem Gebiet fühlen und auf einer anderen Ebene das Erstklässlergefühl hochkommt. Dies ist aber normal! Solange wir lernfähig sind, werden wir immer wieder etwas kennenlernen wo wir noch unerfahren und laienhaft sind. Was wir jedoch bald möglichst meistern können, ist die Meisterschaft des Lernens. Wenn wir die abgeschlossenen haben, dann sind wir auch in so einer, für uns neuen und noch unverständlichen Situation, die Meister im Verstehen, dass wir gerade im Lernen sind!

© 10/2015 Kristina Hazler


Die Artikelreihe „Das innere Team und die Arbeit mit einzelnen inneren Aspekten“ besteht aus folgenden Teilen:

  1. Der innere Meister
  2. Der innere Sklave und die unbewussten Codes
  3. Der innere Sklave und die endlose Scham
  4. Das innere (Ego)Kind und die kindliche Maske
  5. Das innere Kind und das Liebesmanko
  6. Der innere Schöpfer und seine schöpferische Depression
  7. Der innere Krieger und der Weg aus der Selbstverletzung
  8. Der innere Boykotteur in der Praxis
  9. Die Transformation des inneren Boykotteurs zum inneren Berater
  10. Das „eigene“ Schattenwesen und die Schattenenergie
  11. Der innere Engel in dieser Welt
  12. Der innere Versager und seine Transformation
  13. Der innere Genius – Es ist die höchste Zeit für eine Geniekultur
  14. Der innere Besserwisser und die Bereitschaft für nächsten Bewusstseinsschritt
  15. Der innere Kritiker – unsere ultimative Prüfinstanz
  16. Der innere (Lebens)Verweigerer und die überraschende Kehrwende

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Fußnoten:

[1]    Bis jetzt sind folgende BewusstseinsCoachings erschienen: Band 1 – Das menschliche Paradoxon, Band 2 – Die verkehrte Logik, Band 3 – Die Kunst der bewussten Wahrnehmung, Band 4 – wird im Dezember 2015 unter dem Titel Grenzgänge erscheinen.

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