Der innere Kritiker – unsere ultimative Prüfinstanz

Wer soll besser unsere innere Prüfinstanz verkörpern, wenn nicht unser innerer Kritiker? Ja, würden wir grundsätzlich mit dem Thema Kritik nicht auf Kriegsfuß stehen … Ein Artikel aus der Reihe: „Das innere Team und die Arbeit mit einzelnen inneren Aspekten

Die innere Prüfinstanz

Wer soll besser unsere innere Prüfinstanz verkörpern, wenn nicht unser innerer Kritiker? Ja, würden wir grundsätzlich mit dem Thema Kritik nicht auf Kriegsfuß stehen … oder Hand aufs Herz: Konnten sie selbst schon in voller Freiheit irgendeine, auch wenn gut gemeinte, Kritik und konstruktive Kritik ohne diesen Stich ins Herz oder das Zusammenziehen der Kehle und/oder Magengrube annehmen? Die Wahrscheinlichkeit, dass es ihnen gelungen ist, ist sehr klein, weil die meisten Menschen die (aus welchen Gründen auch immer) eine Kritik äußern, selbst innerlich nicht frei, sondern verfahren, begrenzt, blockiert und nicht selten verkehrt sind – halt genauso wie wir alle. Sprechen solche Menschen auch noch so gut gemeinte Kritik aus, spüren wir die Unfreiheit und schöpfen Verdacht. Etwas verschließt sich in uns und unser System schlägt daraufhin Alarm. Dies alles geschieht in einem winzigen Augenblick; manchmal sogar lange bevor der Kritiker seine Meinung verbal ausgesprochen hat. Kaum öffnet er den Mund, sind wir schon in einer Abwehrstellung. Der Kritiker spürt das und fühlt sich von uns angegriffen oder zumindest gekränkt. Daraufhin nimmt er genauso eine Abwehrstellung ein, verschließt sich, wodurch seine Worte nicht optimal fließen können. Die Energie ist aus dem Gesagten sozusagen raus. Durch das Verschließen verliert er auch seinen „roten Faden“, den Pfad, aus dem er gesprochen hätte, seine Intuition und Empathie und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als aus der Erinnerung heraus zu versuchen, das zu rekonstruieren, was er eben noch frei von der Leber weg sagen wollte. Er schaltet auf Logik. Dort, wo vorhin noch vielleicht das Bauchgefühl war, um argumentieren zu können und seinen Worten einen logischen Nachdruck dort verleihen zu können, wo es vorher noch die Energie und das Bewusstsein vermittelt hätten. Diese Logik, ich nenne sie auch die verkehrte Logik[1], soll die subjektive Wahrheit animieren, ist jedoch gänzlich angreifbar, weil es auf der verkehrten logischen Ebene für jedes Argument ein Gegenargument gibt. Mit der echten subjektiven Wahrheit ist es jedoch nicht so. Diese ist nicht „angreifbar“, weil es jedem seine individuelle Wahrheit ist. Bewegen sich auf einmal (und das geht sehr schnell) beide Parteien – der Kritiker und der Kritisierte – auf der verkehrten logischen Ebene, wird die ganze Kommunikation sehr holprig, die Argumentation löchrig, die Energie und das Bewusstsein kann nicht fließen, die Ebene von Verständnis, Toleranz und/oder sogar Liebe entfernt sich. Ein Missverständnis, eine Verletzung, ein Trauma, ein Konflikt, eine Katastrophe sind vorprogrammiert. Der Kritiker schwört sich, niemals mehr etwas zu sagen … Der Kritisierte schwört sich, ab sofort um jede Kritik einen großen Bogen zu machen.Der innere Kritiker – unsere ultimative Prüfinstanz

Der Unterschied zwischen innerem Kritiker und innerem Besserwisser

Noch schwieriger wird es, wenn wir den Kritiker mit einem Besserwisser und Belehrer verwechseln und glauben, dass er nichts anderes im Sinne hat, als uns runterzumachen. Dazu lesen sie aber bitte den früheren Artikel: „Der innere Besserwisser und der ultimative Test der Bereitschaft für den nächsten Bewusstseinsschritt“

Wie im letzten Artikel erwähnt, hat aus meiner Sicht der innere Besserwisser die Aufgabe, besser zu wissen und uns eventuell zu testen und zu unterweisen. Nur, weil der Kritiker kritisiert, bedeutet es nicht, dass er auch besser weiß! Er kann jedoch die Fähigkeit haben, aus einem Abstand zu sehen und zu erkennen, dass wir es besser können!

Wer sollte es schon wagen beispielsweise ein Genie zu kritisieren, wenn nicht sein eigener innerer Kritiker? Wer sollte es doch besser wissen als sein eigener innerer Besserwisser und wer sollte besser den Blick dafür haben als sein innerer Kritiker, wenn der Genius nicht sein Bestes gibt? Welche Instanzen sollen einem (auch wenn zukünftigen) Genie zur Seite stehen, wenn nicht diese zwei? Genie ist er doch selbst – aber gibt er auch sein Bestes?

Wer nicht im Innen hört, muss es im Außen bekommen

Wir sollten eines nicht vergessen: Wenn wir auf unsere innere Stimme nicht hören, muss sich diese eine Situation im Außen suchen, um uns das zu kommunizieren, was sie uns sagen will. Und da kommt es darauf an, wie wir trainiert (Pawlowsche Reflex), konditioniert sind und auf was wir gerade ansprechen. Schenken wir unser aufmerksames Ohr den Vorgesetzten, werden wir von ihnen unsere Kritik hören, sprechen wir eher auf Schmerz und/oder Krankheit an, werden wir von dieser Seite irgendeine Information bekommen oder ein Film im Fernseher löst in uns etwas aus, z.B. unsere aufgewühlte Reaktion: „Wie kann der dort mit der so reden? Was glaubt er, wer er ist?“ Ach ja?! Was glauben wir, wer unser innerer Kritiker ist? Und wie kann er so mit uns reden? Vielleicht spricht er mit uns so (streng und/oder laut und/oder abschätzig), weil wir nur auf der Frequenz gewohnt sind, Kritik entgegenzunehmen. Lösen wir uns von der Bindung an diese eine Frequenz, bekommt der innere Kritiker eine größere Bandbreite an „Funkfrequenzen“ durch die er uns in bestimmten Situationen erreichen kann.

Das Nächste ist: Öfters verwechseln wir unseren eigenen inneren Kritiker mit dem Schattenwesen[2]. Warum? Weil das Schattenwesen auch Energie unserer eigenen zurückgehaltenen, verbal nicht geäußerten Kritik (zumindest nicht dort, wo sie hingehört hätte) beinhaltet. So erkennen wir in dem Schattenwesen auch unsere Stimmen, die jedoch nur energetische Abdrücke sind und sich mit anderen Energien (mit denen sie kompatibel sind bzw. die sie anziehen) vermischen.

Der einfühlsame Kritiker

Dabei ist meiner Meinung nach unser eigener innerer Kritiker ein Sensibler. Vielleicht der sensibelste von all unseren Aspekten und Persönlichkeitsanteilen. Seine Aufgabe ist es nämlich, uns, unserer verwundeten Seele entsprechend, schonend beizubringen, wenn etwas, was wir denken, fühlen, sprechen, tun, zu korrigieren ist. Die beste Voraussetzung, dass wir die Kritik erfolgreich annehmen und umsetzen können ist, wenn sie in viel Liebe gehüllt ist. Stoßen wir jedoch den Kritiker vor den Kopf und/oder von seinem Thron, begeben wir uns gemeinsam mit ihm (weil er uns folgen muss, damit er uns seine Botschaft dort mitteilen kann, wo immer wir auch sind) auf die Ebene der Ablehnung. Und dort herrscht nicht besonders viel Liebe. Aber wir können korrigieren! Wir können zu jeder Zeit unsere Ausrichtung ändern. Und der innere Kritiker kann uns dazu zum Beispiel mit folgenden Worten animieren: „Ich glaube, du hast die Ebenen verwechselt! Ich spüre, da läuft etwas falsch. Das fühlt sich nicht gut an. Das fühlt sich nicht nach dem an, was du tun wolltest!“

Bevor sie weiterlesen, möchte ich sie daran erinnern, nicht alles, was ich hier schreibe, für bare Münze zu nehmen. Ich schreibe aus meinem eigenen inneren Wissen und Wahrnehmung heraus. Vieles klingt logisch, aber in dieser Welt kann man fast alles in etwas, was sich als Logik darstellt, verpacken. So ist die beste Zeit gekommen, spätestens jetzt ihren inneren Kritiker einzuschalten und das, was sie lesen, das was bei ihnen ankommt, auf ihre eigene Wahrheit hin zu prüfen. Und nicht nur meine Worte und meinen Artikel. Alles, was ihnen im Außen und im Innen begegnet. Lassen sie ihr Gefühl das Sprachrohr ihres inneren Kritikers sein.

Das verwirrende Maskenspiel

Wir setzen oft unseren eigenen Persönlichkeitsaspekten fremde Gesichter auf. Und wir wundern uns und fühlen uns oft bedroht, wenn diese vor unserem inneren Auge auftauchen. Wir glauben, da will uns jemand manipulieren! Ich sage nicht, dass das nicht auch ab und zu der Fall ist. Aber oft sind wir das Selbst, die wir vor uns selbst mit anderem Gesicht auftauchen. Am Beispiel vom inneren Kritiker können wir es vielleicht besser verstehen. Wurden wir in der Kindheit zum Beispiel oft vom Vater kritisiert, assoziieren wir später einen oder jeden anderen Kritiker mit dem eigenen Vater. Diese Sache hat jedoch einen Haken! Wir lernen zwar, im Vater den stetigen Kritiker zu sehen, aber wir wissen nicht, ob es nicht unsere eigener innerer Kritiker, also wir selbst waren, der durch den Vater zu uns gesprochen hat, weil wir eben im Inneren seine Stimmen nicht hörten. So suchten wir uns im Außen eine „Projektion“, die einer Kritikäußerung gegenüber aufgeschlossen war und bereit war, diese durchfließen zu lassen. Komplizierter für unsere Wahrnehmung und warum wir als Kinder keine andere Chance hatten als es so einzuordnen, ist, dass (in diesem Fall) der Vater nicht nur uns kritisierte. Wir lernten ihn tatsächlich als einen Kritiker (der immer überall etwas auszusetzen hatte) kennen. Diese seine Einstellung machte sich aber unser eigener innerer Kritiker zu Nutze! Er brauchte jemanden, der sich nicht scheut, Kritik auszusprechen! Und dann war es/ist es ein leichtes „Spiel“, das Eigene aus seinem Munde zu hören. Umso verwirrender, wenn es sogar auf der Seelenebene abgesprochen ist und noch verwirrender, da doch derjenige, der die Kritik äußert, sie nur so äußern kann, wie es seine Einstellung, sein energetisches System und sein Entwicklungsstand ermöglicht. Sind wir von unserem inneren Kritiker mehr Sanftheit und Einfühlungsvermögen gewöhnt, kommen wir kaum auf die Idee, dass er es ist, der zu uns spricht, wenn die Schwingung eine andere, eine derbere ist. Aber was, wenn es nur eine solche war, auf die wir in dem Moment bereit bzw. fähig waren, zu hören???

Das menschliche Leben ist voll von Verwirrungen und Verwicklungen, obwohl irgendwo alles eigentlich so einfach ist. Kein Wunder, dass wir bei jeder auftauchenden Kritik aus unserem Inneren gleich an „unseren Vater“ denken, wenn wir unserem eigenen inneren Kritiker das Gesicht des Vaters zugewiesen haben. Und doch sind wir es, die sich hinter der Maske des Vaters und des Kritikers (noch) nicht erkennen!

Das geniale Power-Team

Wir können den inneren Kritiker in uns wieder im Verständnis für sein Tun und Wirken und seinen unschätzbaren Wert für uns annehmen. Tun wir das, bewegen wir uns (vielleicht langsamer als einem lieb ist) wieder auf die Ebene der Annahme und damit der Liebe zu. Dort hat der innere Kritiker wieder sein wichtigstes Werkzeug bei der Hand und der gemeinsamen Korrektur, am besten gemeinsam im Team mit dem inneren Besserwisser, dem Genie und dem Meister[3], steht nichts mehr im Weg.

© 10/2015 Kristina Hazler

 

Die Artikelreihe „Das innere Team und die Arbeit mit einzelnen inneren Aspekten“ besteht aus folgenden Teilen:

  1. Der innere Meister
  2. Der innere Sklave und die unbewussten Codes
  3. Der innere Sklave und die endlose Scham
  4. Das innere (Ego)Kind und die kindliche Maske
  5. Das innere Kind und das Liebesmanko
  6. Der innere Schöpfer und seine schöpferische Depression
  7. Der innere Krieger und der Weg aus der Selbstverletzung
  8. Der innere Boykotteur in der Praxis
  9. Die Transformation des inneren Boykotteurs zum inneren Berater
  10. Das „eigene“ Schattenwesen und die Schattenenergie
  11. Der innere Engel in dieser Welt
  12. Der innere Versager und seine Transformation
  13. Der innere Genius – Es ist die höchste Zeit für eine Geniekultur
  14. Der innere Besserwisser und die Bereitschaft für nächsten Bewusstseinsschritt
  15. Der innere Kritiker – unsere ultimative Prüfinstanz
  16. Der innere (Lebens)Verweigerer und die überraschende Kehrwende

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Fußnoten:

[1] Über die Verkehrte Logik können sie mehr im meinem Buch „BewusstseinsCoaching – Band 2 – Die verkehrte Logik“ nachlesen.

[2] Lesen sie dazu den Artikel: Das „eigene“ Schattenwesen

[3] Passende Artikel dazu: Der innere Besserwisser, Die Annäherung an unser inneres Genie, Der innere Meister

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