Geben wir uns eine Chance auf eine positive Perspektive

Die beleidigte Kleinheit
Gerade erst von einer zweimonatigen Reise durch die Welt wieder zu Hause angekommen und schon holt mich hier eine Art Trostlosigkeit ein und das, obwohl mich die Reise lehrte, dass wir in unseren mitteleuropäischen Ländern in unmittelbarer Umgebung fast alles haben, wofür man woanders hunderte, gar tausende Kilometer reisen müsste. Wir haben die landschaftliche Vielfalt, wir haben gebildete, intelligente Menschen, wir haben Kultur und Geschichte, wir haben … denken sie selbst nach, was wir so alles vor unserer Tür haben – und doch stelle ich fest, dass wir wohl die unzufriedensten Menschen der Erde sind. Warum? Warum ist das so? Nach dem, was ich mit dem durch die Reise gewonnenen Abstand unmittelbar und klarer gesehen und wahrgenommen habe, scheint es mir so, als wenn wir eigentlich noch viel zu wenige Probleme und Existenzsorgen hätten und dadurch viel zu viel Zeit, denn wir müssen nicht um das nackte (Über)Leben kämpfen. Stattdessen machen wir uns unzählige negative und unzufriedene Gedanken über dieses und jenes. Ich kann es mir nicht anders erklären – es scheint in unserer Natur zu liegen, sich das eigene Leben und das der anderen durch ständiges Nörgeln (Jammern in Österreich), sich beschweren, dekonstruktiv zu kritisieren und das automatische Beleidigtsein schwer zu machen. Statt in der Energie des Erlaubens und Freilassens, leben wir in der Energie der Eifersucht, des Grolls und des Verbietens. Und nicht nur uns selbst versuchen wir noch das „Letzte“, das Spaß macht, zu verbieten, sondern auch anderen Menschen in deren Leben wir (ob erlaubt oder unerlaubt) einen Einblick oder nicht einmal das haben. Leben und leben lassen ist irgendwie in diesen Breitengraden abhanden gekommen. Lieber verharren wir eingeschüchtert in einer Art beleidigter Kleinheit, weil wir irgendwo doch wissen, dass die empfundene Kleinheit nicht die Wahrheit ist. Was Schreckliches hat uns wer im Laufe unseres Lebens angetan, dass wir so vielen anderen Menschen im Nacken sitzen und besser für ihr Leben wissen, was sie zu tun haben und wann sie richtig nachhaltig-spirituell-licht-sozial-moralisch-umweltschonend-tierschützend-vegan leben? Kein Wunder, dass manche das Gefühl haben, dass sie keine Luft mehr bekommen, dass es so überaus stickig und dicht um uns herum ist. Wie sollte man auch in diesem Klima der Besserwisserei, Vorwürfe und Nachtragerei frei atmen können? An jeder Handbewegung, jedem Schritt und jedem Lidschlag könnte man gleich etwas zum Aussetzen finden. So kann das Sich-selbst-entdecken und das Sich-selbst-ausleben kaum Spaß machen, oder?

Es gibt so viele konspirative Gedanken, wie wir von offiziellen und inoffiziellen Quellen unterwandert, betäubt, benebelt, vergiftet und was auch immer werden. Aber sind nicht wir selbst für uns das größte Gift?

Wir können für uns selbst das größte Umweltgift sein
Das Potenzial des Geistes, die Intelligenz, ist hier in größerer „Menge“ als anderswo vorhanden. Aber wo sind die Seele und das Herz geblieben? Was bringt das ganze intelligente Gehabe, wenn es nur zum Argumentieren von empfundenen Ungereimtheiten bei anderen Menschen – ob es unsere Kinder, Eltern, Bekannten, Nachbarn, Chefs oder Politiker sind – dient? Wir haben in den letzten Jahren so viel über das Erzeugen und die Wirkung der Energie gelernt und doch nichts gelernt. Sonst würden wir wissen, dass wir über unser negatives, anklagendes Denken und dadurch erzeugte Emotionen Wolken von dichten, nebelhaften Energien erzeugen, die sich über die kritisierte Person legen und uns selbst und unsere eigene Welt immer mehr mit ungünstigen, krankhaften energetischen Mustern füllen. Wie soll die betroffene Person, sei es auch so ein verfahrener Politiker, zu einer klaren Einsicht gelangen, wenn sich vor allem bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, ihr Energiesystem statt mit klärenden, befruchtenden und visionären Ideen und Impulsen, mit immer größeren emotional geladenen und verwunschenen Gedankenschwaden füllt?

Viele ängstigen sich vor Karma und haben das Gefühl, dass es Karma ist, wenn es ihnen unmöglich scheint, innere Visionen umzusetzen. Jedoch sind wir ein Teil des Ganzen und die Verwirklichung unserer Visionen setzt oft fremde Schritte und ergänzenden Talenteinsatz von Menschen voraus, die wir bewusst oder unbewusst verurteilt haben. Kommt es doch zu einer Zusammenarbeit und läutet jemand, der uns fruchtbringend mit unserer Idee helfen könnte, an der Tür, so wenden wir ablehnend unseren Blick von ihm ab, weil das Erste, was wir so manches Mal in ihm/an ihm sehen, die Energiewulst ist, die wir mit unseren Gedanken solchen Menschen gegenüber und dem, was er vertritt, erzeugt haben. Das so verschwendete, destruktiv ausgelebte Energiepotential, die Energie, die uns fehlt (wir sind ja so energielos und müde), bringt er uns netterweise mit im Gepäck. Statt eines Dankes vermuten und fürchten wir darin das schattenhaft Dunkle, das es zu entfernen, sich davor zu schützen gilt, mit dem wir nichts zu tun haben wollen und nennen es alibihalber Karma – als könnten wir nichts dafür.

Wir machen uns gegenseitig alle immer kleiner und kleiner. Wir beschneiden uns selbst, machen uns zu Eunuchen, unfruchtbar, frigide. Warum? Warum tun wir das? Was für eine Passion haben wir daran? Und wir wundern uns, dass andere Völker dabei sind, uns zu überrennen? Warum tun sie das wohl? Weil wir gemeinsam so stark sind oder weil wir uns gegenseitig schwächen, weil wir uns gegenseitig nichts gönnen? Weil wir teilweise lieber sterben würden als den Kampf für das aktuelle Recht, das wir gerade erst entdeckt haben und das wir für die non-plus-Ultra-Wahrheit halten, loszulassen und aufzugeben? Nirgendwo auf meiner Reise habe ich so viel Engstirnigkeit und Rechthaberei empfunden wie hier. Überall auf der Welt haben Menschen ihre täglichen Probleme und schlagen sich oft unter härteren Bedingungen den Weg für das tägliche Brot und das Dach über dem Kopf und doch lassen sie ihre Mitmenschen mehr in ihrem jeweils Eigenen sein. Warum stecken bei uns so viele Menschen so gerne die Nase in die Angelegenheiten der anderen??? Welche von diesen „Nasen“ hat schon selbst den Arsch hochgehoben und zur Besserung der Missstände, die sie witterte, beigetragen, statt wiederholend verbal die Stimmung und Energie zu beschweren? Wer hat uns und warum so zu (ver)urteilen gelehrt? Wer hat uns beigebracht, für Fremde so eindeutig zu denken und die einzige Wahrheit aus welchem Zustand heraus zu sehen? Ach ja, aus unserer ständig verängstigten, kleinkarierten, unzufriedenen Nörgelei sehen wir für andere total klar, während wir bei uns Selbst keine Ahnung haben wie der Hase und das Leben weiter laufen soll …

Geben wir uns eine Chance auf eine positive Perspektive
shutterstock_219087994Können wir endlich einmal tief Luft holen nicht um genug Dampf zu haben um ihn auf fremden Konten abzuladen, sondern um loszulassen, das Einatmen und Ausatmen frei fließen zu lassen (ohne sich gleich den Mund und die Gedanken voll zu nehmen) mit der Bereitschaft, aus dem belebenden Fluss heraus auch das zu erblicken, was wir alle Gutes an uns haben und was wir und unsere Mitmenschen bereits gut gemacht haben? Egal, wie unvollkommen sie uns auch aus unserer bisherigen Perspektive erschienen sind, egal, für wie sündig wir sie hielten …

Meine letzte Reise hat mich noch mehr Demut der Erde und den Menschen gegenüber gelehrt; egal, wie verfahren sie sind und egal, in welchen für mich unzumutbaren Umständen sie leben. Ich hege ihnen gegenüber eine tiefe Ehrfurcht. Ich sah, wie fähig sie sind, in Gebieten, Situationen und Umständen zu leben, die ich ablehnen würde, in denen ich selbst höchstwahrscheinlich nach zwei Wochen untergehen würde. Ihre Art des Lebens, die Orte, wo sie leben, haben mir vielleicht Angst und Furcht eingejagt; vielleicht haben sie mir persönlich nicht gefallen; vielleicht glaubte ich zu wissen, was man anders machen könnte und müsste, aber (!) – ich verstand: es hilft nicht, wenn ich es weiß. Es ist ihr Leben und nicht meins. Und sie üben sich, sie probieren, lernen, entdecken das, was ich nicht mehr brauche und was ich bereits „anders“ weiß. Sollte ich sie also dafür verurteilen, weil sie es noch nicht besser (anders) wissen, weil sie ihre akkuraten Bedingungen haben, weil sie nicht so leben, wie es mir gefallen würde??? Nur, weil ich mir nicht vorstellen kann, auf ihre Art zu leben – zum Beispiel in amerikanischen Slums und Ghettos? Sie leben dort, wo sie leben und das so, wie sie es gerade tun und dafür haben sie meinen größten Respekt. Und seltsamerweise gerade dort, in für mich unwirtlichen Gegenden, spürte ich neben dem vielen Leid und Armut auch viel Dankbarkeit statt Unzufriedenheit. Zufriedenheit zum Beispiel mit jedem Job, dem sie gerade stolz nachgehen dürfen, statt Unmut und Widerstand, mittlerweile jeder Arbeit und Arbeitsstelle gegenüber zu hegen, die kaum mehr gut genug für uns sein kann.

Was muss noch geschehen, damit wir uns auf das besinnen, was uns wichtig ist?
Wie müssen unsere persönlichen Umstände noch werden, damit wir bereit sind, in unserer eigenen Wohnung und vor der eigenen Tür zu kehren? Wie muss sich die Situation noch verschärfen, damit wir keine Zeit und Kraft mehr aufwenden, noch mehr gedanklich-emotional-energetisch-spirituellen Müll vor der Tür des physischen oder virtuellen Nachbarn abzuladen? Was muss noch passieren? Was brauchen wir noch, um uns auf uns selbst zu besinnen? Wann hören wir mit den angeblich „berechtigten“ Kleinmäusekriegen auf? Wann beginnen wir damit, ein Team zu werden? Wann beginnen wir uns gegenseitig zu schätzen und uns mit unseren individuellen Fähigkeiten zu ergänzen, statt immer nur eine eigene Burg zu bauen, für deren Bau wir im Alleingang nicht das gesamte Zeug haben? Wann stärken wir uns miteinander in unserem Potenzial? Wann sehen wir im unvollkommenen Anderen einfach das, was er kann und ist, statt das, was er nicht kann und eben nicht ist? Ist das nicht toll, dass für uns scheinbar unvollkommene Menschen dennoch ihre individuellen, einzigartigen Fähigkeiten haben, mit denen nur sie zum großen Ganzen beitragen können; auch wenn sie in unseren Augen etwas Schlechtes getan und angerichtet haben, ob sie ihre Kinder verlassen haben, keine guten Zuhörer und nicht genug oder viel zu sensibel sind, jedem Rock nachschauen, Fleisch essen, nicht meditieren können und vom Licht und Geist so gar nichts verstehen?

Denken wir, fühlen wir, rekapitulieren wir nach:

  • Wo bin ich unzufrieden?
  • Wo spüre ich die Unzufriedenheit in mir auftauchen?
  • Auf wen projiziere ich meine Unzufriedenheit?
  • Wen hatte ich zuletzt im Visier – über wen und warum schüttelte ich unzufrieden den Kopf?
  • Gibt es eine andere Seite (der Münze) dieser Unzufriedenheit?
  • Gibt es eine andere Sichtweise, einen anderen Blickwinkel?
  • Was spiegelt mir diese Unzufriedenheit?
  • Woran möchte sie mich erinnern?
  • Wo (er)mahnt sie mich?
  • Wo und wieso habe ich nicht an mich selbst gedacht?
  • Wann und wieso habe ich mich selbst hintenan gestellt?

Werde dir der Wut, Angst, Trauer und dem Gefühl und der Hilflosigkeit bewusst, die in dir noch vorhanden ist und die du in Form von Unzufriedenheit über die ganze (Um)Welt ergießt. Kehre zu dem wahren Kern deines Problems zurück, statt dich und die Umwelt weiterhin zu vergiften und dich zu beschweren. Kehre zu dir zurück und liebe, respektiere deine Wut, Angst, Trauer, Hilflosigkeit und dein Ohnmachtsgefühl. Lenke dich nicht im Außen von dir selbst ab, sonst wird deine Unzufriedenheit trotz all dem Licht und der Liebe, die in dir vorhanden sind, das du bist, immer größer. Wer sonst als du selbst in all deinem Licht und der Liebesfähigkeit soll all das, was du in dir fürchtest, nicht magst und nicht hinschauen möchtest, umarmen? Vertraue dir endlich! Du kannst das! Du bist soweit! Du hast alles was du brauchst, um dich selbst in deinen eigenen geglaubten schattenhaften Anteilen zu erkennen und zu befreien. Statt immer kleiner zu werden, wirst du durch diesen Akt der Annahme (er)wachsen. Statt immer nur dein inneres Kind in den Armen zu wiegen, erkenne endlich auch dein so lang ersehntes er-wachsenes Ich …

© 12/2015 Kristina Hazler

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