IST DIE HÖFLICHKEIT ZEITGEMÄSS UND BERECHTIGT?

Wenn ich eine Person respektiere, ihr gegenüber Respekt empfinde, brauche ich dann höflich sein? Aus meinem Respekt heraus ergibt sich automatisch mein respektvolles Verhalten ihr gegenüber. Ich achte diese Person, also bin ich in Achtung und Achtsamkeit zu ihr. Wenn ich jemanden achte und beachte, brauche ich dann Höflichkeit? Eher nicht, weil mein Verhalten auf der Achtung und Achtsamkeit basiert. So frage ich mich, wo und wann ist Höflichkeit notwendig und angebracht? Dann wenn ich mit einer Person zu tun habe, die ich nicht (be)achte, sie nicht respektiere? Aber warum sollte ich es tun? – jemanden nicht zu achten, ihn nicht zu respektiere, außer dann, wenn er mich mit Missachtung und Respektlosigkeit begegnet und dann … dann soll ich höflich sein? Ist Höflichkeit vielleicht ein altes Relikt aus der Vergangenheit (aus den Höfen), wo man dort, wo kein Respekt und keine gegenseitige Achtung mehr war, doch einen gewissen Umgang wünschte? Sollen wir nicht, statt höflich zu sein, lieber zu der Achtsamkeit und zum Respekt zurückkehren? Sollen wir die Momente, wo sich die Höflichkeit in uns einschaltet nicht als Alarmsignale verstehen, die uns informieren, dass wir gerade nicht respektvoll miteinander umgehen oder mit uns nicht respektvoll umgegangen wird?

© 04/2014 Kristina Hazler