Wirtschaft im Burn-out und die Müdigkeit des Konsums

Heilfasten für die Wirtschaft, wie auch für den Konsumenten wäre eine gute Idee.

Heute in der Früh, wie ich in die Welt hinausgefahren bin, habe ich es wahrgenommen – die Müdigkeit der Außenwelt. Plötzlich verstand ich es: die Wirtschaft hat Burn-out und die Gesellschaft ist konsummüde. Beide sind reif dafür sich aufs Ohr zu legen, ein paar Schlafstündchen einzulegen. Man kennt das Sprichwort: „Morgen ist klüger als Abend“ – also müsste man sich (in diesem Falle die Wirtschaft) zuerst schlafen legen und ausschlafen um dann (aus dem Trauma, aus der Krise) aufwachen zu können. Ein Burn-out-Betroffener erkennt nicht, dass er betroffen ist, dass es an der Zeit auszusteigen, Ruhe zu geben, zu pausieren ist. Stattdessen versucht er die Restkräfte zu mobilisieren, mit Hilfe von Aufputschmitteln weiter mitzuhalten und die Kraftlosigkeit/Unfähigkeit vor der Welt zu verbergen. Kommt es Ihnen bekannt vor? Kein Wunder! Ähnlich verhält sich die (Welt)Wirtschaft auch, oder? Es wird aufgeputscht, getäuscht und getarnt. Statt zu erkennen, dass der Dampf raus ist und der Boden zu ungesund für neue vitale Ideen, wird jenseits jeglicher Logik weitergemacht. Wenn der Boden ausgelaugt ist und in ihm nichts mehr gedeihen kann, muss er ruhen, damit er sich selbst regenerieren und wieder fruchtbar werden kann. Nur, dort wo kein Urteilvermögen mehr ist, wird mit Hilfe von giftigen Spritzen (in der Hoffnung doch noch etwas rauszuholen) der Rest an Lebendigkeit platt gemacht.

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Ein von Burn-out betroffener Mensch ist körperlich und psychisch fertig, leer und kaum zurechnungsfähig. Er braucht Pause, Ruhe, Schlaf, Vitamine, Liebe, Wärme und Verständnis. Wird ihm nach ein paar Stunden Erholung eine unpassende Starthilfe geboten, führt der Weg direkt dorthin zurück, wo es ihn zuletzt verbrannte.

Die Gesellschaft ist müde, konsummüde. Zu hoher Druck lastet auf ihr. Es wird von ihr die Ankurbelung des bereits Kranken und Erledigten erhofft. Sie sollen weiterkaufen und konsumieren was das Zeug hält, sich sozial kompetent gegenüber der Wirtschaft zeigen, damit sie wieder in gewohntem Maß weiter ihr Unwesen treiben kann. Aber warum um Gotteswillen dem Burn-out-Betroffenen noch weitere Arbeit unterschieben, die er so und so nicht bewältigt und nur faule Früchte produzieren kann?

Der Konsument ist müde, sieht sich in der Zwickmühle. Sein Kühlschrank zu Hause ist voll, er schafft nicht mehr alles zu verbrauchen. Es fault in seinen eigenen vier Wänden. Der Müll und all das was er aus „Brüderlichkeit“, „Nächstenliebe“, „Gutgläubigkeit“ und aus Verblendung sich angeschafft hat um zu helfen, stapelt sich, nimmt Platz ein, macht dicke Luft.

Was sollen wir tun? Wie sollen wir uns und der Wirtschaft helfen?

Wie hilft man einem der mitten drin in einem Burn-out steckt? Was tut man, wenn der Kühlschrank voll ist und man bereits alles hat was das Herz begehrt(e) und noch mehr?

Schicken wir die Wirtschaft in Urlaub!

Zeigen wir ihr, dass wir die paar Wochen ohne sie auskommen. Wir sind doch im Übermaß versorgt. Unser Kühlschrank ist voll, wir können von all dem Zeug nicht mehr so viel zu uns nehmen. Wir sind müde immer nur zu konsumieren. Wir brauchen auch Pause, wollen auch etwas anderes als Konsum kennenlernen. Wir sind müde zu glauben, dass Gesundheit und Wohlwollen der Wirtschaft von unserem Verbraucherverhalten abhängt. Wir wollen sie nicht mehr auf unseren Schultern tragen.

Wir wollen uns endlich einmal um uns selbst kümmern. Wir wollen alles Faule, nicht mehr Verwertbare und nicht Zeitgemäße abwerfen, Sorgen, dass man ohne uns nicht kann, loslassen und dann auf die Regenerationsflamme schalten. Heilfasten für die Wirtschaft, wie auch für den Konsumenten wäre eine gute Idee. Sich in Verzicht und Einfachheit zu üben. Weg von Prozenten, Steigerungen, Provisionen, Wachstumsraten, hin zur Erfahrung, dass man mit viel weniger auskommt als man geglaubt hat oder einem glaubhaft gemacht worden ist. Erst wenn die Überforderung und die Überfüllung weichen, wenn sich das Treiben gelegt hat und die Fremdsteuerung aufhört, kann sich ein freier Raum für neue Ideen und Potential öffnen/offenbaren. Der Geschmack, Einfühlungsvermögen, Empathie und Intuition können zurückkehren und die Wirtschaft (wenn sie dann noch so heißt) kann dann wieder den Menschen dienen und nicht umgekehrt.

  © Kristina Hazler 09/2013