Die Rückkehr zu mir selbst – Praktiziertes Selbstvertrauen

Aus der Artikelserie: Die Meister des Lebens – Geschichten die das Leben schreibt 

Angst vor dem Fall

Libuša, 33

 

Von klein auf wurde ich nur von der Mutter erzogen. Meine Eltern ließen sich scheiden als ich gerade ein Jahr alt war. So bin ich ohne Vater aufgewachsen in einer, für die Zeit untypischen und noch dazu atheistischen Familie. Scheidungen waren damals nicht akzeptiert und nicht so in „Mode“ wie heute. Ein geschiedener Elternteil wurde als ein minderwertiger Teil der Gesellschaft angesehen. Meine Mutter musste lernen, mit ihrer Situation alleine zu Recht zu kommen, nicht nur im Rahmen der Familie und der Sicherung der Existenz, sondern auch gegenüber der Gesellschaft. Vater habe ich insgesamt nur wenige Male gesehen. Weil Mutter ein Partner fehlte, teilte sie alles intensiv mit mir. Es gab nur uns zwei in unserem Leben. Solche Themen wie Sicherung der Einnahmen fürs Essen und warum sich die Mutter nicht leisten konnte, mir ein Spielzeug zu kaufen, lernte ich bereits in meinen jungen Jahren zu verstehen.

Mutter bemühte sich, Wege für das leichtere Leben und das Funktionieren unserer kleinen Familie zu suchen, bis sie den Weg zum Glauben fand und so wurden wir beide Christinnen. Ich war damals gerade 10 Jahre alt, musste mich taufen lassen, die Kommunion und die Firmung mitmachen, obwohl ich nicht an Gott glaubte und unbewusst mit solchen Entscheidungen kämpfte. Dieser Kampf war wahrscheinlich auch das erste Warnsignal, das ich in mir bewusst spürte. Nach und nach lernte ich dennoch, aufgrund des Drängens von Mutter „zu glauben“, konnte es aber niemals in der Tiefe spüren, nahm es nur als „so tun als ob“ wahr und wusste, dass ich mich selbst von etwas zu überzeugen versuchte. Aus diesem Zustand heraus hatte ich damals seltsame Erkenntnisse: Ich beobachtete, dass ich, wenn wir am Sonntag in die Kirche gingen, die ganze Woche in der Schule ausgezeichnete Ergebnisse hatte, aber wenn wir nicht in die Kirche gingen, dann waren meine Noten schlechter, obwohl ich zu Hause (unabhängig von der Kirche) betete. Ich fragte mich, wo dabei der Unterschied bestand. Unterschied es sich, ob ich in der Kirche oder zu Hause betete? Gott ist doch überall! Die eigene Erfahrung schien mir aber zu kommunizieren, dass ausschließlich der pflichtbewusste regelmäßige Kirchgang die Garantie für meinen Erfolg in der Schule war. Und so bekam ich unbewusst Angst vor dem Glauben. Erst später wurde mir bewusst, dass der Glaube in mir Angst vor dem Leben, statt Vertrauen in das Leben erzeugte. Unbewusst schaltete sich in mir die verkehrte Logik[1] ein, die mich zu überzeugen versuchte, dass wenn ich etwas möchte, ich es mir in der Kirche erbitten müsse, und dass es nur so und nicht anders mit Gott funktioniere.

Mit der Zeit begann meine Mutter Bücher mit geistigen Themen zu lesen. Eine große Entdeckung war für sie das „positive Denken“. Ich wurde gerade 11 und nahm das zweite Warnsignal in meinem Leben wahr, als ich feststellte, dass mich Mutter von etwas zu überzeugen versuchte, mit dem ich innerlich nicht einverstanden war. Sie begann sich zu verändern. Sie durchbrach verschiedene, durch die Erziehung und von der Gesellschaft übernommene Glaubensmuster. Das Leben wirkte auf einmal heller und einfacher, und ich änderte mich selbstverständlich gemeinsam mit ihr, so wie jedes Kind und jedes Wesen durch die Umgebung in der es existiert beeinflusst und geformt wird. Das weiß ich selbstverständlich erst heute, aufgrund meiner eigenen Begegnungen mit dem Thema Manipulationen, die ich in Folge erlebte.

Positives Denken

Mein Verstand und mein Wesen lernten immer mehr positiv zu denken. In der Früh, bevor ich in die Schule aufbrach, wiederholte ich in meinem Kopf positive Sätze darüber, wie ich den Tag gut schaffen und gute Noten bekommen werde. Und die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Unser Leben wurde tatsächlich besser, aber heute weiß ich auch, dass ich bereits damals begann, vor dem natürlichen Lauf des Lebens zu flüchten. Durch das positive Denken lernte ich nämlich, alle negativen Dinge des Lebens zu ignorieren und erlaubte mir somit nicht, die Fähigkeit zu entwickeln, diese auf natürliche Weise zu verarbeiten. Und vor allem, wie konnte ich wissen, was von dem Ganzen für mich letztendlich positiv und was negativ war? Inzwischen sind Dinge, die von der Gesellschaft paradoxerweise als negativ genannt werden (ich selbst nenne diese nicht mehr so), für mich solche, die mich zwar verletzen, aber mir gleichzeitig Selbsterkenntnis und Lebenskenntnis bescheren, für die ich inzwischen fähig bin, dankbar zu sein.

Als ich zu einer Erwachsenen heranreifte, fiel ich immer mehr in die Rolle des Partnerersatzes meiner Mutter. Sie hatte dadurch anscheinend kein Bedürfnis, sich einen Partner zu suchen. Wir sprachen viel miteinander über alles Mögliche und lösten die Aufgaben des Haushaltes gemeinsam. Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis, das über die gängige Mutter-Tochter Rolle hinausging.

Wie das so ist, wenn man den Raum der ungeahnten Möglichkeiten öffnet, beginnen sie eine nach der anderen aufzutauchen. So begann Mutter immer mehr in die spirituelle und geistige Welt einzutauchen. Sie entdeckte zum Beispiel Feng-Shui, was zur Folge hatte, dass sie zu Hause Möbel umstellte, entsprechende bunte Stoffe kaufte und uns sogar nach den, von Feng-Shui zu bestimmten Zwecke festgelegten Farben kleidete.

Im Jahr 1998 besuchte Mutter zusammen mit einer Freundin eine Gesundheitsmesse bei uns in der Stadt. Einer von den angebotenen Workshops, widmete sich der „Heilenergie“. Für die damalige Zeit in der Slowakei ein unbekannter Begriff. Die Heilenergie sollte nämlich alle gesundheitlichen Probleme heilen. Obwohl Mutter und mich keine gesundheitlichen Probleme belasteten (wir lebten ein relativ zufriedenes Leben), sagte sich Mutter: „Warum sollte man auch nicht so etwas in petto haben, man weiß ja nie, wann man es gebrauchen kann.“ und meldete sich zum Ausbildungskurs an.

Bis dahin hatte ich alles, womit Mutter angekommen war, geglaubt oder gelernt zu glauben. Sie war doch meine Mutter, die Person, der ich am meisten vertraute und noch dazu eine „Erwachsene“. In meinem damaligen kindlichen Verständnis war sie ein Wesen, das alles wusste und dem ich vollständig vertrauen konnte. Soweit ich weiß, galt zu der Zeit ein Kind noch nicht als ein vollständiges Wesen. Ein Wesen, das trotz seines jungen Alters, ein eigenes Fühlen, Wahrnehmen und die Fähigkeit zu beobachten hätte. Nur die Eltern und andere Erwachsene waren die einzigen, die über das Kind entscheiden konnten.

Positives Denken, Feng-Shui und andere Sonderheiten waren Dinge, die ich in meinem zarten Alter von 14 Jahren noch fähig war irgendwie psychisch zu verarbeiten und mit meinem jugendlichen Verstand auf meine eigene Art zu verstehen! Aber es war an der Grenze, weil in der Schule, in meinem Freundeskreis niemand von solchen Sachen sprach. Es waren in der Gesellschaft, in der wir lebten, unbekannte Richtungen. Wenn ich also meine Freunde nicht verlieren wollte, musste ich meine Erlebnisse aus den „anderen“ Bereichen für mich behalten.

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Heilenergie – Einweihungsprozess

Und so kam das dritte Signal. Das Signal des Misstrauens in das, womit Mutter auf mich zukam – alles was sie entdeckte, bzw. wovon sie entdeckt wurde. Heilenergie – ein Begriff, mit dem ich als 14-jährige umgehen können sollte. Es war zwar ein Alter, in dem ich schon mehr meinen Willen äußern durfte, wurde aber noch immer nicht so weit akzeptiert, dass er für die Erwachsenen eine Gültigkeit gehabt hätte. Das Konzept der Heilenergie, so wie es mir präsentiert wurde, konnte ich innerlich nicht annehmen, sondern kämpfte wortwörtlich damit. Mutter absolvierte die Heilenergieausbildung mit einer Einweihung. Der Ausbildungskurs fand beim Meister zu Hause statt, zusammen mit weiteren Teilnehmern und selbstverständlich gegen Bezahlung. Eine der ungeschriebenen Bedingungen für das erfolgreiche Absolvieren des Kurses war, dass die Teilnehmer aufhören sollten Fleisch zu essen, Alkohol zu trinken und am besten nicht zu rauchen, obwohl der Meister selbst rauchte. Sie konnten sich entscheiden, entweder 21 Tage kein Fleisch zu essen und dadurch eine Reinigungsphase zu durchlaufen oder mit dem Fleischessen für immer aufzuhören, was effektiver für die Wirkung der Heilenergie und das Leben im Bewusstsein sein sollte. Zusätzlich war es notwendig, regelmäßig mit dem eigenen Engel und Meister zu meditieren, sich von den Sorgen und Energieverschmutzungen zu reinigen und die Aura und Chakren zu klären.

Mutter hörte von einem Tag auf den anderen auf Fleisch zu essen und begann zu meditieren. Räucherstäbchen rauchten bei uns tagtäglich, und sie versuchte alles zu heilen, was bei uns so gesundheitsmäßig aufgetaucht war. Es genügte, ihre Hände auf die Schmerzstelle aufzulegen und die Heilenergie in der Schmerzstelle zu empfangen. Sie traf sich immer öfters mit dem Meister und anderen Kursteilnehmern. Später begann der Meister sogar, uns zu Hause zu besuchen. Mutter schien endlich die Richtung ihres Lebens gefunden zu haben, während ich all das abgrundtief hasste und von mir wies.

Trotz der Tatsache, dass Kindern die Einweihung nicht erlaubt war, haben Mutter und der Meister nach mehreren Konsultationen beschlossen, dass es für mich besser wäre, wenn ich auch die Einweihung bekäme. Der Meister war hellsichtig und sah, wie mir etwas Schreckliches zustoßen sollte, und deswegen schien es ratsam zu sein, dass ich mich mittels Einweihung schützte. Und als wäre es nicht genug, erfuhr ich noch zu all dem, dass ich ein besonderes Wesen auf dieser Welt sein sollte. Es schrieb sich das Jahr 2000 und ich war gerade Mal 15 Jahre alt! Wie hätte ich all das innerlich verarbeiten sollen? Was soll in einem geschehen, wenn er im pubertären Alter erfährt, dass ihm etwas Schreckliches droht und das noch wahrscheinlich deswegen, weil er etwas Besonderes ist??? Selbstverständlich ließ ich mich überreden! Ich willigte ein. Was blieb mir anderes übrig, wenn die einzigen Menschen, denen ich vertraute davon so überzeugt waren?

Der Rest dieser Geschichte ist im Buch Die Meister des Lebens – Geschichten die das Leben schreibt im Kapitel Die Rückkehr zu mir selbst nachzulesen

© 2018, Libuša, Kontakt: libusastory@gmail.com

 


 

Die Geschichte „Die Rückkehr zu mir selbst – Praktiziertes Selbstvertrauen“ ist ein Teil des Projektes „Die Meister des Lebens – Geschichten die das Leben schreibt“ und ist im gleichnamigen Buch im Kapitel  Die Rückkehr zu mir selbst  erschienen. Willst DU mit Deiner Geschichte auch ein Teil des Projektes für Band 2 sein, sende mir bitte diese per Mail ->

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176 Seiten, 1. Auflage, erschienen 09/2018, ISBN: 978-3903014-23-7

 


Fußnoten

[1]             Die verkehrte Logik – ein Begriff aus dem Buch „BewusstseinsCoaching 2 – Die verkehrte Logik

 

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