Der Weg zu meinem Traum

Aus der Artikelserie: Die Meister des Lebens – Geschichten die das Leben schreibt 

Ich versuchte immer wieder vor dem Leben wegzulaufen

Catalina, 23

 

Schon als Kind habe ich davon geträumt, ein Model zu werden, aber aufgrund verschiedener Ereignisse in meinem Leben verlor ich  diesen Traum für eine längere Zeit aus den Augen.

Kindheitstraum

Meine Mutter starb als ich sechs Jahre alt war. Sie selbst war noch sehr jung und ich kann mich nicht mehr wirklich daran erinnern, wie ich mich fühlte. Mein ganzes Leben veränderte sich schlagartig. Ich hatte gerade mit der Volksschule begonnen und, um mich nicht erklären zu müssen und dem Mitleid aus dem Weg zu gehen versuchte ich teilweise den Tod meiner Mutter zu verschweigen. Wenn die Kinder nach der Schule nach ihrer Mutter suchten und glücklich zu ihnen gingen, konnte ich vergeblich auf meine eigene warten, denn sie war nicht mehr da. Nach kurzer Zeit gewöhnte ich mich aber daran. Ich konzentrierte mich vor allem auf die Schule. Ich lebte ab sofort bei meiner Oma, der Mutter meiner Mutter, während der Kontakt zu meinem Vater nicht besonders gut war. Er war selten für mich da und wenn er da war, verspürte ich Angst – das ist aber eine andere Geschichte.

Erst mit elf Jahren erinnerte ich mich wieder an meinen Kindheitstraum. Nur damals habe ich mich noch nicht getraut etwas dafür zu tun. Ich war doch noch ein Kind und hatte keine Unterstützung. Zu dieser Zeit nahm ich den Kontakt zu meinem Vater wieder auf. Ich suchte wieder die Nähe zu ihm, wollte ihm eine Chance geben und hoffte darauf, dass er sich geändert hatte. Außerdem erfuhr ich, dass ich einen kleinen Halbbruder bekam und wollte ihn unbedingt kennenlernen. Im Laufe dieser Annäherung versprach mir mein Vater, mir irgendwann mal ein Fotoshooting zu bezahlen, damit ich mich mit professionellen Fotos bei verschiedenen Modelagenturen bewerben könne. Es kam nur leider nie dazu, bis heute hat er sein Wort nicht gehalten. Eigentlich hat er noch nie sein Wort gehalten.

Ich versuchte immer wieder vor dem Leben wegzulaufen

Meinen großen Traum vergaß ich jedoch nie, obwohl ich  für seine Umsetzung  viele Jahre nichts unternahm. Sorgen plagten mich, es ging mir nicht gut, ich war dauernd verängstigt. Dazu kam noch, dass ich mich selbst nicht hübsch fand. Und als wäre es nicht genug, wurde ich in der Schule auch noch gemobbt. Es hat in der Volksschule begonnen und endete erst, als ich die Schule abgebrochen hatte. Anfangs waren es nur die Mädchen, die Probleme mit mir hatten,  später,  im Gymnasium hatte ich aber plötzlich aus mir unerklärlichen Gründen eine Zeitlang beide Geschlechter zum Feind. So war ich erneut alleine. Ich wandte mich ab, hing mit den falschen Freunden, die ich außerhalb der Schule kennenlernte, herum, änderte mein Äußeres indem ich anfing mich zu schminken und meinen Kleidungsstil zu ändern. Ich begann mich weiblicher anzuziehen, was mir letztendlich aber keinen Vorteil verschaffte, eher im Gegenteil. Noch dazu sorgte ich mich um meine Oma und ihre Gesundheit. Sie ist stur und achtet nicht auf sich. Das Verhältnis zu ihr war manchmal kompliziert und finanzielle Sorgen hatten wir auch immer. Es gab Zeiten, da hatten wir sogar kein warmes Wasser und keinen Strom. An manchen Tagen fand ich meine Oma nach der Schule bewegungslos am Boden liegen. Dies löste große Verlustängste in mir aus,  außer ihr gab es in meinem Leben nur noch meine Tante, die mich unterstütze  und mir gut zuredete, wenn sie da war.

Mir wuchs das alles über den Kopf. Ich begann mich mit einer Rasierklinge selbst zu verletzen. Ich hatte es einmal im Fernsehen gesehen und kannte auch Menschen, die es taten. Ich verletzte mich selbst, um wieder etwas zu spüren, mich zu spüren und zu spüren, dass ich noch am Leben war. Ich war gerade erst ein Teenager geworden. Ich denke, manchmal habe ich mich selbst verletzt, um mich zu bestrafen. Es wurde mir doch jahrelang erzählt wie schlecht ich bin. Die Narben trage ich noch heute an meinem Körper und frage mich, wie ich meinem Körper, mir selbst nur so etwas antun konnte?! Allerdings liebe und schätze ich mich und meinen Körper jetzt umso mehr. Wenn ich es doch selbst nicht mache, macht es keiner.

Mit ungefähr 15 Jahren habe ich eine meiner schlimmsten Zeiten erlebt – ich wurde unter anderem vergewaltigt. Bei all diesen traumatischen Erlebnissen, tauchte in mir immer wieder die Frage auf, warum mir all die schlechten Dinge passieren mussten. Mir wurde bewusst, dass ich nicht wusste, wer ich war, da ich meine Wurzeln nicht kannte.

Ich bin in Österreich geboren – ein Land, das ich nicht wirklich meine Heimat nennen kann, da ich Wurzeln in Uruguay (mütterlicherseits) und in der Slowakei (väterlicherseits) habe. Nirgendwo bin ich wirklich daheim. Ich werde überall als „Ausländerin“ wahrgenommen, noch dazu verleugnete ich stets meinen slowakischen Aspekt, weil ich nicht ein Teil meines Vaters sein wollte. Inzwischen lernte ich jedoch, es zu akzeptieren. Ich verstand, dass es auch etwas Wertvolles ist, weil es zu mir gehört. Obwohl ich in mir Gene aus verschiedenen Ländern trage, bin ich trotzdem in Wien zu Hause. Hier befinden sich all die Menschen, die ich liebe und bei denen ich mich Zuhause fühle, und das macht meine Heimat aus! Bevor ich das verstand, war es für mich nicht besonders einfach, denn ich versuchte immer wieder vor dem Leben wegzulaufen.

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Der Weg der Heilung

Eine Zeitlang war ich arbeitslos und beruflich orientierungslos, ging jedoch in die Abendschule. Psychologie interessierte mich, ich war mir aber nicht sicher, ob ich wirklich als Therapeutin arbeiten wollte. Mein Sehnen galt nach wie vor dem Modeln. Ich wollte reisen und irgendwie war es mir auch wichtig, anderen Menschen bei ihrem Streben nach Glück zu helfen. Aber vor allem wollte ich viel sehen und viel erleben, weil man niemals wissen kann, wann das Leben letztendlich vorbei sein wird und deswegen will ich bewusst jeden Augenblick mit wundervollen Erinnerungen füllen.

Eines Tages dämmerte mir, dass ich mich erst einmal um meine eigene Heilung kümmern muss. Also begann ich viele Bücher zu lesen, die sich mit der Heilung und positivem Denken beschäftigen und mich auch mit deren Hilfe mit mir selbst intensiv und bewusst zu befassen. Dabei fiel mir auf, dass ich negativ dachte, in vielen Situationen eher das Negative sah und meistens negative Wörter in meinem Ausdruck benutzte. Mit viel Mühe begann ich, mich auf das Positive und Schöne im Leben zu fokussieren, positiver zu denken und mich von vielen Personen zu trennen. Schließlich lernte ich Dinge loszulassen und bewusst im Moment zu leben. Das Loslassen praktizierte ich, indem ich mir selbst verziehen und Dramen meiner Vergangenheit hinter mir gelassen habe, denn ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich mein Leben selbst in der Hand habe. Ein weiterer Lernschritt folgte: Ich lernte stärker und glücklicher zu sein, erlaubte mir Fehler zu machen, weil ich verstand, dass Fehler zu machen zum Leben gehört, und diese Erkenntnis war wunderbar. Ich fing an Liebe und eine Art vollkommener Dankbarkeit in mir zu empfinden, und das gab mir Kraft, endlich an mich und meinen Traum zu glauben. Ich durfte auch tolle Menschen kennenlernen, die mit mir arbeiteten und mir einiges über das Mensch-sein beibrachten. Durch Zufall kam ich zu einer Bewusstseinscoachin, die mir half meine Sensibilität zu erkennen. Ich erkannte, dass ich vieles spürte, es aber nicht bewusst wahrnahm und nicht unterscheiden konnte, ob ich mich im jeweiligen Moment selbst fühle oder die Schmerzen und Launen eines anderen an meinem eigenen Körper wahrnehme. Aufgrund dieser Sensibilität fühlte ich mich manchmal physisch krank und leicht reizbar. Ich war wegen geglaubten eigenen Zuständen, wie auch wegen meiner eigenen verdrängten, vergangenen Geschehnisse, des Öfteren im Krankenhaus. Über Monate, wenn nicht Jahre, musste ich mich jeden Morgen übergeben. Dies schränkte mich stark in meinem Leben ein. Und dann kam das Unerwartete: Erst als ich verstand, warum das so war und aufhörte zu versuchen gesund zu werden, bin ich gesund geworden! Klar gibt es ab und zu Tage, an denen es mir immer noch so geht, aber ich lerne damit umzugehen, ohne mir selbst Vorwürfe zu machen.

Eine liebe Freundin, die ich in der Abendschule kennenlernte, hat mir ebenso sehr geholfen. Sie ist diplomierte Lebens- und Sozialberaterin und beschäftigt sich mit Neurolingualerprogrammierung[1]. Während einigen Sitzungen versetze sie mich in eine Art Trance  und das half mir eine Zeit lang niemanden anderen gewohnt intensiv spüren zu müssen und mich von fremden Energien zu reinigen.  Mittels einer Cranio Sacral Therapie[2] bei der Mutter einer Freundin, lernte ich meinen Körper besser zu verstehen. Ich konnte spüren, wie viel Verdrängtes an die Oberfläche kam und übte mich, es durch einen bewussten Akt des Loslassens gehen zu lassen. Es war schön zu sehen, dass wenn ich innerlich nach Hilfe schrie, immer jemand zur rechten Zeit da war und dies erfüllte mich mit neuem Vertrauen.

Die Chance ergreifen

Mein Wunsch zu Modeln wurde immer größer. Also beschloss ich endlich etwas dafür zu tun, als sich die Möglichkeit dafür auftat, und das schöne dabei war, ich musste nichts weiter tun, als einfach die Chance zu ergreifen, die sich mir angeboten hatte. Das war eine Gelegenheit, herauszufinden, ob ich überhaupt ein Talent dafür habe. In einer Bar in der ich samstags zusammen mit meiner Tante arbeitete, unterhielt ich mich eines Abends mit einem Stammgast  und siehe da, er war ein professioneller Fotograf! Er hat sogar Falco fotografiert und wie unglaublich es auch klang, er war daran interessiert, mit mir Fotos zu machen! Diesmal nutzte ich meine Chance und hatte dann mit 18 Jahren mein erstes professionelles Fotoshooting! Ich war so überglücklich und konnte es nicht abwarten, bis ich die fertigen Fotos bekam und sie mir ansehen konnte.

Und doch kam ich immer wieder von meinem erträumten Weg ab …

Der Rest dieser Geschichte ist im Buch Die Meister des Lebens – Geschichten die das Leben schreibt im Kapitel Der Weg zu meinem Traum nachzulesen

© 2018, Catalina, Kontakt: info@bewusstseinsakademie.com

 


Fußnoten

[1] Das Neuro-Linguistische Programmieren (kurz NLP) wurde von Richard Bandler und  John Grinder Anfang der 1970er Jahre an der University of California in Santa Cruz entwickelt. Die Bezeichnung „Neuro-Linguistisches Programmieren“ soll ausdrücken, dass Vorgänge im Gehirn (= Neuro) mit Hilfe der Sprache (= linguistisch) auf Basis systematischer Handlungsanweisungen änderbar sind (= Programmieren). (Quelle: Wikipedia, Auszug aus -> https://de.wikipedia.org/wiki/Neuro-Linguistisches_Programmieren)

[2] Die Cranio-Sacral-Therapie („Schädel-Kreuzbein-Therapie“) ist eine alternative medizinische Behandlungsform, die sich aus der Osteopathie entwickelt hat. Die Cranio-Sacral-Therapie beruht unter anderem auf der Annahme, dass sich die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit auf die äußeren Gewebe und Knochen übertragen und somit abtasten und verändern lassen. (Quelle: Wikipedia, Auszug aus -> https://de.wikipedia.org/wiki/Cranio-Sacral-Therapie)

 


 

Die Geschichte Der Weg zu meinem Traum ist ein Teil des Projektes „Die Meister des Lebens – Geschichten die das Leben schreibt“ und ist im gleichnamigen Buch im Kapitel Der Weg zu meinem Traum erschienen. Willst DU mit Deiner Geschichte auch ein Teil des Projektes für Band 2 sein, sende mir bitte diese per Mail ->

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176 Seiten, 1. Auflage, erschienen 09/2018, ISBN: 978-3903014-23-7

 

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