Wollen Sie wohnen oder möchten Sie lieber Zuhause sein?

Dieser Artikel ist der Teil 6 der Artikelreihe: Das bewusste Wohnen und die Transformation der festgefahrenen Welten, welche Sie sich in der gesamten Länge (alle 6 Teile) hier downloaden können ->

Was und welches Wohnen suchen wir?

In den vorigen Teilen dieser Reihe über das „Bewusste Wohnen“ beschäftigte ich mich mit verschiedenen Faktoren, die unser Wohnen, unsere Bauweise und unser Denken über die notwendige Bau- und Wohnweise beeinflussen. Was aus meiner Sicht noch offen bleibt, ist die Bewusstseinfrage, was jeder von uns eigentlich sucht, wenn er nach einer neuen Wohnung, nach einem neuen Haus, einer neuen Bleibe oder sogar neuen Immobilie Ausschau hält. Was suchen wir? Eine Unterkunft? Eine Übernachtungsmöglichkeit? Oder sogar eine Wertanlage? Eine Zuflucht vor der Welt? Oder das Zuhause? Wer von uns ist sich der Unterschiede bei der Suche nach den optimalen Räumlichkeiten seiner unbewussten Absichten und Sehnsüchte bewusst? Die Grundfrage ist also: Wollen wir wohnen oder zu Hause sein? Suchen wir eine Wohnmöglichkeit oder das Zuhause? Fühlen sie sich in den Unterschied hinein und versuchen sie, ihre aktuelle Situation zu befragen. Wohnen sie oder sind sie zu Hause?

Wollen Sie wohnen oder möchten Sie lieber Zuhause sein? Schlüssel, Auswanderung, wo ist mein Zuhause
Wohnen

Die Schlüsselfrage!

Als mir dieser Unterschied bewusst geworden ist, kam automatisch die Antwort. Selbstverständlich suchen wir alle nach einem Zuhause! Aber ist das wirklich so? Ich persönlich bin aus einem „Zuhause“ bewusst weggegangen. Seitdem ziehe ich oft um und in keiner anderen Bleibe hatte ich das Gefühl des Zuhauseseins, sondern nur einer Übergangsmöglichkeit. Erstaunlicherweise kam ich zu dem Schluss, dass ich mich mit meiner aktuellen Situation des Wohnens zufrieden gebe und ich keinem Zuhause nachjage. Aus dieser persönlichen Einsicht heraus glaube ich, dass es für jeden Einzelnen wichtig ist, in sich zu gehen und sich zu fragen: Was ist die aktuelle Sache? Vor allem bei den Pärchen kann dies eine Schlüsselfrage sein. Es kann nämlich vorkommen, dass der eine ein Zuhause braucht, während der andere nur wohnen möchte. Wenn das nicht geklärt ist, wird es in den eigenen vier Wänden Probleme machen, Konflikte, die eigentlich auf einem Missverständnis bzw. einem Unverständnis der eigenen Situation basieren, sind vorprogrammiert. Der eine, der „nur“ wohnen möchte, wird sich in dem „trauten Heim“ anders verhalten als jemand, der sich ein Nest erschaffen und zu Hause sein möchte. So wird die Verhaltensweise des anderen stetig ein Dorn im Auge sein, da es eine andere Grundenergie in sich trägt und nicht mit der Grundabsicht des anderen harmoniert. Es kann sozusagen kein gemeinsames Energiefeld entstehen; wenn, dann ein sehr widersprüchliches oder es bilden sich zwei separate Energiefelder, wo sich das dann so anfühlt, als lebte man in zwei verschiedenen Welten gleichzeitig.

Wohnen versus Zuhause zu sein

Was ist der wahre Unterschied zwischen dem Wohnen und dem Zuhause zu sein? Ich glaube, es ist sehr individuell und ich kann hier nur mein Gefühl, meine eigene Wahrnehmung des Themas beschreiben.

Es ist mir klar, dass, wenn ich eine Reise in ein fremdes Land – für, sagen wir zwei Monate, unternehme, dass ich dort kein Zuhause suchen werde. Es ist ein fremdes Land. Ich bin dort, um dieses zu erfahren und ich brauche dort eine Unterkunft, um mich zurückzuziehen und zu erholen, um den täglichen Erlebnissen nachgehen, sie verarbeiten zu können. Es soll also ein so angenehmes Wohnen sein wie innerhalb der Gegebenheiten möglich, damit ich Kraft für den neuen Tag und damit neue Erfahrung schöpfen kann. Das Erstaunliche ist, dass ich mich dann oft in so einem fremden Land heimischer und mehr zu Hause fühle als zu Hause. Warum? Heißt das, dass ich dort mein wahres zu Hause gefunden habe? Diesem Glauben bin ich schon einmal in meinem Leben verfallen. Ich wollte in so ein fremdes Land auswandern, das ich während eines Reiseaufenthaltes kennenlernte und mich sehr, sehr wohl und aufgenommen fühlte. Ich war felsenfest überzeugt, dass ich dort mein Zuhause finde. Jetzt schauen Sie sich meine bewusste Formulierung des letzten Satzes an. Ich war überzeugt, dass ich dort mein Zuhause finde, nicht, dass dort mein Zuhause ist! Leider verstand ich damals den Unterschied nicht. Wenn ich dort erneut mit meinem gesamten Hab und Gut landete, fand ich mein Zuhause dort nicht mehr! Was ist geschehen? Unter anderem vergingen einigen Jahre zwischen meiner Reise und meine Auswanderung. Das Land selbst hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Aber es gab noch einen gravierenden Unterschied: Auf meiner Reise war ich frei, ohne Erwartungen, bereit, Erkundungen und neue Erlebnisse zu machen. Bei dem Auswanderungsversuch war ich voller Erwartung, wollte mich festlegen, wollte etwas Konkretes. Heureka! Das Heureka gilt aber für heute. Damals leuchtete es mir leider noch nicht gleich ein und ich wurde unglücklich, verstand die Welt und mich selbst nicht. Ich wanderte von einem Ort zum anderen, samt alle Erwartungen, und suchte das Zuhause und fand es nirgendwo, bis ich schließlich wieder in Wien landete. Seltsamerweise ermöglicht mir so Wien, wenn ich in der Welt unterwegs bin, mich heimisch zu fühlen :) Der Schlüssel liegt als bei mir in der Erkenntnis, dass ich dort Zuhause bin, wo ich frei, ohne Erwartungen neue Erkundungen und Erlebnisse machen kann. Das ist mein Zuhause! Wenn ich einen Raum zur Verfügung habe, wo ich mich ausleben kann, wo ich alles habe, was ich brauche. Und hier auf der Erde gehört für mich das Wohnen dazu. Ich brauche das Wohnen, die Wohnung, als eine Art Basislager für meine Erkundungen in diesem „fremden Land“.

Und stellt euch vor, wenn es eine gute Bleibe ist, wenn die „Sternenkonstellation“ in meinem Kopf stimmt, dann mitten in diesem für mich fremden Land, vergesse ich, dass ich auf einer Reise bin und ich fühle mich plötzlich Zuhause! Bis … bis ich mir dessen bewusst werde und es festhalten, für immer haben möchte. Dann … dann wohne ich wieder nur :)

© 03/2015 Kristina Hazler

Der Artikel „Das bewusste Wohnen und die Transformation der festgefahrenen Welten“ besteht aus folgenden Teilen:

  1. Warum das Rad (nicht) neu erfinden?
  2. Wenn uns die eigenen vier Wände in der Entwicklung hemmen 
  3. Die neue Art des Wohnens ist lebensplankonform und flexibel 
  4. Können passende Wohnräume unsere Potentialentfaltung unterstützen? 
  5. Wenn das eigene Haus zu einem Energievampir wird 
  6. Wollen sie wohnen oder möchten Sie Zuhause sein?