Energieholismus – die potenzielle Sucht des spirituellen Kriegers

„Energieholismus – die potenzielle Sucht des spirituellen Kriegers“ ein Artikel aus der Reihe „Energiearbeit und die Suchtgefahr“ (erschienen auf meiner Homepage kristinahazler.com) über die Tücken der Energiearbeit für hochsensible, sensible, empfindsame, empathische, erwachte und erwachende Persönlichkeiten

Die Suche nach einem Entkommen aus einem unpassenden Dasein

„Guten Tag, mein Name ist Marianna Schuster, ich bin seit 14 Tagen ‚energienüchtern‘ und habe in dieser Zeit keine bewusste Energiearbeit betrieben.“ – So oder ähnlich werden in naher Zukunft die Worte in neuen anonymen Selbsthilfegruppen und Entzugsprogrammen für „Energieabhängige“ zu hören sein, die dann vielleicht „AE – Anonyme Energetiker“ heißen werden.

Noch nie gab es so viele spirituell Erwachte und Erwachende sowie Menschen, die Energiearbeit betreiben, wie heute. Allein schon deswegen nicht, weil es noch nie so viele Menschen gab wie heute, zumindest seit der Zeitrechnung laut Darwinscher Menschenentwicklungsgeschichte und den Daten, die uns die Wissenschaft zur Verfügung stellt.

Ich persönlich habe das Gefühl, dass sich in dieser Epoche, in der wir alle mehr oder weniger leben, Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen zusammenfinden, die sich bereits in der spirituellen Entwicklung geübt und die Energiearbeit auf die eine oder andere Art für sich entdeckt haben. So weisen gewisse Gruppierungen mittelalterliche, andere wiederum altgriechische, atlantische, keltische, fernöstliche, schamanische oder andere Züge auf. Für die einen ist das die Möglichkeit, dort weiterzumachen und zu experimentieren, wo sie einst unterbrochen wurden, aufgehört haben oder ein Trauma erlitten haben. Für die anderen, die Neuankömmlinge, ist es etwas Faszinierendes, etwas Neues, das sie noch nicht kennen und erforscht haben. Ob die einen oder die anderen, viele haben eine Gemeinsamkeit: die Suche nach einem „Entkommen“ aus einem „unpassenden“, sich fremd und/oder verkehrt anfühlenden Dasein. Die einen sehen ihre Errettung in den höher schwingenden Höhen, die anderen im Jenseits, in der Erleuchtung, Beschwörung, Transformation des Bestehenden, Entfernung des Unangenehmen, Reinigung des Verschmutzten, Energetisierung des weniger Vitalen, Bekämpfung des Bösen usw. Anfänglich ist es hoffnungsvoll.

Energieholismus - die potenzielle Sucht des spirituellen Kriegers, Energiearbeit, Schwingung, Energetisieren, Reiki, Lichtarbeit

Die Suche nach einer Welt, in der man so, wie man ist, genug ist

Es ist eine Idee, die Früchte trägt und die Aussicht auf eine bessere, angenehmere Zukunft verspricht. Sie verspricht ein Leben in einer Welt, in der man zu Hause und willkommen ist, in der man einen Platz zum Leben hat und so angenommen wird, wie man ist. Die Hoffnung ist so groß, dass man keine Mühe scheut, alles auf diese Karte zu setzen. Man spürt es, man weiß es sogar: An der Geschichte, an der Möglichkeit, sich eine bessere Welt, eine bessere Zukunft, sogar ein besseres Ich zu erschaffen, ist irgendetwas dran. Das Paradies hier auf Erden, das goldene Zeitalter, scheint so nah, direkt vor der Tür zu sein. Nur noch ein kleines Stück … das Schloss aufbrechen … die Tür freiräumen und endlich! … sie öffnen. Dann kann die Erholung, das Genießen und das Sein endlich beginnen.

Wenn man das Schloss mit einem Schloss statt mit einem Schlüssel öffnen möchte

Die Methoden des Schlossknackens scheinen auf den ersten Blick unterschiedlich, doch die meisten haben das eine gemeinsame Ziel: die Energie zu bewegen und sie leichter, lichter, schöner und energetisierter zu machen. Ich meine, man könnte es abgekürzt so ausdrücken: Man will die Energie energetisieren! Hört und fühlt bitte hinein: Energie energetisieren!

Es ist ungefähr so, als würde man den Geist vergeistigen oder die Seele beseelen wollen. Doch die Seele ist schon beseelt, der Geist ist schon geistig und die Energie ist schon energetisiert – sonst wäre sie gar nicht die Energie!

„Aber wie sie energetisiert ist, darauf kommt es doch an!“ – höre ich jemanden aufschreien.

Doch wie ist die Energie energetisiert? Sie ist so energetisiert, dass sie Energie ist. Daher frage ich nochmals ganz logisch: Kann man Energie überhaupt energetisieren? Vielleicht korrigiert mich ja jemand und sagt: „Nein, wir meinen: die Materie energetisieren, den eigenen Körper, das eigene Energiefeld, die Wohnräume und die Erde energetisieren!“ Aha! Und sofort höre ich diesen bereits inflationären Satz in meinem Hinterkopf:

„Alles ist Energie!“

Wenn alles Energie wäre, müsste die Materie auch Energie sein. Der Körper, das Energiefeld, die Wohnung, das Haus, der Garten, der Wald, die Erde … all das müsste doch auch Energie sein. Und dann sind wir wieder am Anfang. Wenn man also ein Haus energetisieren wollte, müsste man die Energie energetisieren, denn ein Haus ist schließlich auch Energie. Aber mit was? Mit Energie?

Energie mit Energie energetisieren! – ???

Dieses wunderbare Beschäftigungsspiel für mehr oder weniger Erwachende hat einen modernen Namen: Energiearbeit ist, wie ich behaupte, die moderne Brutstätte für die sich so rasant vermehrenden hochsensiblen Menschen. Ich habe diesen Artikel erstmals im Jahr 2014 auf meiner Homepage veröffentlicht. Seitdem hat sich die Zahl der Sensitiven und Sensiblen noch vervielfacht – nicht zuletzt dank des Internets und des dadurch ermöglichten allgemeinen Zugangs zu diversen Online-Energetisierungen und Einweihungen. Dadurch werden immer mehr Menschen über ihre Grenzen hinaus sensibilisiert.

Klar gibt es auch HSPs, die von Geburt an so sind oder durch irgendein schockartiges Erlebnis sensibilisiert wurden. Aber es gibt eben auch solche, die dafür „energetisiert“ wurden, ohne dass sie vorher oder zumindest danach über die „Nebenwirkungen“ und Folgen sowie den optimalen Umgang damit aufgeklärt wurden.

Heureka! Die Energiearbeit wirkt!

Bei dem einen beginnt es mit dem Lesen eines Buches und der Anleitung zu den ersten einfachen „Do-it-yourself“-Übungen zur Energetisierung, bei dem anderen durch einen Kurs, ein Video oder einen Bekannten. Man probiert es aus und einige sind erstaunt, dass sie wirklich etwas spüren! Es geschieht etwas, etwas bewegt sich, verändert sich. Heureka! Es funktioniert also. Nicht schlecht! Endlich ist die langersehnte Lösung gefunden. Ja, es bedarf noch ein wenig Training, Regelmäßigkeit, Schärfung der Sinne, vielleicht auch Entsagung, Loslassen, Trennung, Konzentration, Fokus, Geduld und Vertrauen. Das ist nicht immer leicht, aber das ist gut so, denn das, was leicht und einfach ist, kann keine langfristige und nachhaltige Lösung sein, oder?

Aus fünf Minuten am Tag werden mehrere Stunden, Wochen und Monate. Wie versprochen, beginnt sich das Leben zu verändern. Die Energetisierung des Tages ist in vollem Gange, da verschiedene Energieübungen nach und nach in alle Tagesabläufe integriert werden. Das permanente Denken an die Energie, über die Energie und die Beschäftigung mit der richtigen Beschaffenheit und Schwingung bestimmt das Handeln und Tun, bis es bei vielen das einzige Handeln ist, zu dem sie sich aufraffen können. Für andere praktische und bodenständige Tätigkeiten, die früher zum Alltag gehörten, bleibt oft keine „Luft“, Zeit oder Kraft. Die Lust darauf fehlt und was keinen Spaß macht, sollte man ohnehin nicht tun.

Das Damoklesschwert der „richtigen” Energie und Schwingung

Das „Energetisieren“ programmiert sich sozusagen selbst um. Für einen neutralen Beobachter könnten die häufig verwendeten Worte „Energie“, „energetisch“ usw. bedeuten, dass die beobachtete Person vom Gedanken des Energetisierens erfüllt bzw. besessen ist. Alles muss zu jeder Tageszeit energetisch in der richtigen „Tonlage“ sein, sonst kann man kaum überleben.

Früher war es das Versprechen eines besseren, qualitativeren, freudigeren und lustvolleren Lebens. Heute hängt es wie ein Damoklesschwert über einem, wenn nicht der richtige Atemzug, die richtige Handbewegung oder das richtige Symbol am passenden Ort zur passenden Stunde bzw. Sternenkonstellation erfolgt. Es könnte der gesamte mühsam aufgebaute, wunderbare Energieraum samt seinem Schutz wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Was zwar noch nicht das Schlimmste wäre, denn man könnte ihn ja erneut aufbauen. Nur wäre man plötzlich für einige Zeit außerhalb der „Goldblase“, da draußen in der „normalen“ Welt, die doch überhaupt nicht normal ist, mit dem mittlerweile sensibilisierten System ausgeliefert. Und man war doch schon so lange nicht mehr draußen …

(Dieses Thema wird in meinem Buch „Erwachen im MenschSein – Das Experiment“ ausführlich behandelt. Es ist in Romanform geschrieben und der Container, in dem sich fast der gesamte Roman abspielt, ist eine Metapher für das Leben in energetischer Isolation. Es zeigt, wie beschwerlich es ist, aus dieser auszubrechen und sich wieder in das natürliche Leben einzugliedern. Wie so oft ist die Liebe eine gute Unterstützung und Möglichkeit.)

Doch was, wenn die Welt, von der man sich damals wegzuentwickeln versuchte, noch härter, noch unerträglicher, noch kälter und stacheliger geworden ist? Was, wenn all die Energien, vor denen man sich jahrelang mit „magischen“ Ritualen geschützt hat, über einen hereinbrechen und man nicht mehr geübt ist, mit ihnen umzugehen? Inzwischen wissen wir (im Jahr 2026), dass gewisse Grenzen zwischen den Welten und Dimensionen schwinden und die Energetik nicht mehr wie früher funktioniert. Dadurch wird auch so mancher altbewährte Schutz nur noch zur vagen Idee.

Wo sind die Tage, an denen man noch unbeschwert über eine grüne Wiese gelaufen ist?

So wird die frühere tragende Hoffnung durch Angst, Befürchtungen und Zweifel ersetzt. Anstelle des angestrebten Vertrauens in alle Dinge und das Leben macht sich Misstrauen gegenüber allem außerhalb der Gold- bzw. Lichtblase breit. Die einzige Hoffnung ist, noch mehr von der guten Energie zu bekommen, noch mehr Licht einzuatmen und sich noch höher aufzuschwingen, was gleichzeitig noch mehr Einsatz und Beschäftigung mit der Energie bedeutet. Wo sind die Tage, an denen man unbeschwert über eine grüne Wiese gelaufen ist und den Sonnenuntergang gedankenverloren genossen hat?

Das spirituelle Hamsterrad der Energiearbeit

Bei dem Versuch, dem öden Hamsterrad zu entkommen, erwacht man eines Tages in einem neuen, energetisierten und/oder spirituellen Hamsterrad. Wie oben, so unten; wie innen, so außen; wie früher, so später; wie die Absicht, so die Aktion und Reaktion, so das Ergebnis. Wenn man eines Tages in diesem Hamsterrad erwacht und merkt, dass dies nicht das Wahre sein kann, weil ein Hamsterrad immer ein Hamsterrad ist – egal auf welcher Ebene, in welcher Dimension und Schwingung –, dann folgt die nächste Überraschung.

Wenn es gut geht und die Selbstreflexion noch funktioniert, stellt man fest, dass man süchtig geworden ist. Süchtig nach der Energiearbeit, nach dem Empfinden einer bestimmten Schwingung, eines bestimmten Zustands, der durch die Beschäftigung mit der Energie immer wieder herbeigeführt wurde. Wenn man (noch) fähig ist, wirklich ehrlich zu sich selbst zu sein, beginnt man erstaunt zu erkennen, dass man mit dem ganzen täglichen „Energieaufwand“ nur diesem einen „Befriedigungsgefühl“ nachgejagt ist. Dabei hat man nicht bemerkt, dass sich das Energetisieren wie eine Droge verhält: Man braucht immer mehr, um die Wirkung zu spüren. Mit der Energie und ihrer Integration verhält es sich jedoch so, dass, sobald man eine neue Art, eine gewisse Frequenz und Intensität ausreichend erfühlt, erfahren und „bearbeitet“ hat, diese integriert wird. Dadurch wird das Empfinden normalisiert, es werden keine besonderen Empfindungen oder Euphorie mehr verursacht und es werden keine außerordentlichen „Höhen“ mehr erlebt. Da das Fühlen und Wahrnehmen der Intensität, der Höherdimensionalität, der „Lichtheit“ und des Vibrierens als Bestätigung für erfolgreiche Energie-, spirituelle oder Heilungsarbeit verstanden wird, und da man nicht in ein Gefühl der Erfolglosigkeit, Stagnation und damit auch in Depressionen schlittern will, muss – bei nicht ausreichend bewusstem Umgang – für die meisten Energieholiker eine weitere, neue, höhere und lichtvollere Dosis her. Und das über Monate oder Jahre hinweg, bis das gesamte System überhitzt und sich kaum mehr erholen kann.Schwingung, Energiearbeit, Energetisieren, EntspannenWarum ich das weiß? Der eine oder andere kann es sich denken. Ich gehörte vor längerer Zeit (es ist schon fast 20 Jahre her) für eine kurze Zeit dazu. Ich war ein Energiejunkie, ohne je zuvor einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ich suchtgefährdet sein könnte. Und wie sich die anderen Abhängigen untereinander von weitem erkennen, so erkenne ich heute mit geschlossenen Augen Energiesüchtige. Leider musste ich mittlerweile feststellen, dass es sich um eine weit verbreitete Sucht handelt, die nicht als solche benannt und erkannt wird. Einige Erwachende erahnen dies jedoch allmählich, an sie wende ich mich in den weiteren Zeilen dieses Artikels.

(Update aus dem Jahr 2026: Inzwischen gibt es aber auch eine große Anzahl von „Aus- oder Abgestiegenen”, die erneut geerdet sind und wohl an der aktuellen Realität wirksam und transformierend teilnehmen. Ihr Weg zurück ins irdische Leben, in den für die aktuelle Realität passenden Körper und Energiesystem, war nicht leicht, sondern oft ziemlich gruselig mit diversen verrückt machenden Zuständen, Ängsten und Schmerzen. Und doch haben wir überlebt, sind durch die Energieerfahrungen bereichert und gestärkt und können die Energie hinter den Kulissen als eine Art Information und Kommunikation fühlen. Für Interessierte könnte ich gerne einen Wochenendworkshop mit Aufklärung und passenden stabilisierenden Übungen zu diesem Thema geben. Bei Interesse bitte eine Nachricht schicken, damit ich weiß, ob Interesse besteht. Danke!)

Den Entzugsprozess meistern? Und das beim gesunden Menschenverstand?

Es ist im Moment absolut unerheblich, wie und warum man in eine solche energieholische Situation, in einen solchen Zustand geschlittert ist. Wie ich in meinen BewusstseinsCoaching-Büchern schreibe: Alles hat seinen eigenen Sinn. So hatte es auch einen Sinn, dass ich die Welt und das (Er)Leben eines Energiejunkies am eigenen Leib kennenlernen und erfahren durfte. Dieser Sinn wird jedoch meist erst im Nachhinein, viele Jahre später, sichtbar. Wichtig ist, ob man sich als Süchtiger erkannt hat und ob man etwas verändern will, denn der Wille zur Veränderung ist der Grundstein für alle folgenden Schritte. Und etwas, das sich am Anfang der Energiearbeit keiner von uns dachte: Es gibt einen Entzugsprozess, Entzugserscheinungen und -beschwerden – ganz „normal“ wie bei anderen Süchten auch, egal, ob es sich um die „einfache“ Rauchentwöhnung oder eine Abhängigkeit von einer anderen Droge, einer Person, einer Situation oder, wie in diesem Fall, einer Methode, einer Schwingung, einem Schutz, einem Gedanken und/oder dem Gefühl, der Auserwählte zu sein, handelt.

Ich weiß, viele werden über diesen Artikel den Kopf schütteln, aber ich weiß auch, dass es einige geben wird, die verstehen, wovon ich spreche. Entweder, weil sie selbst diese Erfahrung gemacht haben, oder weil sie noch mittendrin stecken und nicht wissen, wie sie diese Lebensphase bei noch gesundem Menschenverstand meistern sollen, ohne sich dabei in Luft aufzulösen, zu sterben oder verrückt zu werden. Für diese Menschen stehe ich gerne beratend und begleitend zur Seite. Ich teile gerne unsere persönlichen Erfahrungen mit ihnen und unterstütze sie, wo ich kann.

Die Halbwertzeit als Heilungsperspektive

Wie lange dauert so ein (Energie)Entzugsprogramm? Darüber denächst …

© 09/2014 (aktualisiert 01/2026) Kristina Hazler

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Bist du bereit, wenn 2026 die Stürme kommen?


In Energetischer Psychosomatik auch erschienen:


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