Ein Engel versteht die Welt nicht mehr

Dieser Artikel ist Teil 9 der Artikelserie Engelsgeschichten

Dieser Beitrag ist Teil der „Engelsgeschichten“ und allen Menschenengeln gewidmet, die unermüdlich und oft bis zur eigenen Erschöpfung anderen Menschen beistehen, die irdischen Transformationsprozesse unbeirrt begleiten und als Pioniere der neuen Wege mit eigenem leibhaftigen Beispiel vorangehen. Es sind metaphorische Geschichten, in denen es auch um Menschen mit dem „Helfersyndrom“ geht. Sie zeigen auf, wie man Hilfestellungen auch auf eine neue, bewusstere Art leben kann, die der Zeitqualität entsprechen, ohne sich selbst dabei zu verlieren, sich zu verausgaben und sich ausbeuten zu lassen. Für alle, die ihren Helferdienst aus tiefstem Herzen leben, ist es wichtig zu verstehen, dass es manchmal die größte Hilfe sein kann, die gewohnte Hilfe nicht mehr zu geben. Dies zu lernen und es auch übers Herz zu bringen, fällt uns jedoch nicht einfach.

Dimensionswechsel und das Erwachen der Menschenengel

Dimensionswechsel läuft

Auf der Erde ist ein Dimensionswechsel im Gange. Unzählige Engel haben die Vorbereitungen für diesen Wechsel seit Jahrzehnten begleitet und unterstützt. Die mutigsten von ihnen haben rechtzeitig ein intensives Training für das Leben unter den Menschen absolviert und eine menschliche Gestalt und Existenz angenommen. So konnten sie den Menschen unmittelbar beistehen, sie bei Bedarf an ihr wahres Wesen erinnern und in chaotischen Schlüsselmomenten stabilisierend, harmonisierend und aufklärend wirken. Nun haben sie viel zu oft eine helfende Hand gereicht, die verschmäht wurde, und Hilfe angeboten, die verdreht, missverstanden oder sogar ausgenutzt wurde. Es wurde daher Zeit, die sich schon seit sehr langer Zeit im Einsatz befindlichen Engel in die „Pause“ zu rufen, um ihren Schützlingen die Möglichkeit zu geben, sich mit all dem, was sie inzwischen gelernt und trainiert haben, im Alltag zu behaupten. So sollen sie erkennen, dass sie aus den Kinderschuhen bereits herausgewachsen sind, keine Stützräder mehr benötigen und in der Lage sind, selbstständig zu gehen.

Der Engel streift den Nebel ab

Während dieser „Pause“ haben die „Menschenengel“ wiederum die Möglichkeit, sich auf ihre Engelhaftigkeit zu besinnen, den dichten Nebel abzustreifen, in den sie eingetaucht sind, und die Früchte ihrer Unterstützung zu erkennen – wie im Himmel, so auf der Erde. Schließlich sollen sie nach dem erfolgten Dimensionswechsel vor den erwachten Menschen in ihrer ganzen Pracht erstrahlen. Doch wie es den Gesetzmäßigkeiten der alten Erde und der alten physischen Dimension entspricht, fällt es selbst den einst mutigsten und fähigsten Engeln schwer, sich zu erinnern – auch wenn ihnen, wie im letzten Teil “Der Engel und der direkte Draht zu Gottbeschrieben (auf meiner Homepage nachzulesen ), genügend Unterstützung aus den eigenen Reihen geboten wird:

„Wenn du mich jetzt daran erinnerst!“ – greift sich der vor einer Weile noch traurige Engel auf die Stirn und ahmt theatralisch einen Menschen nach, der kurz vor dem Umfallen ist. „Das ist doch nicht möglich! Wie blöd kann man denn sein? Wie weit kann man sich von sich selbst dort unten entfernen? Wie kann man so etwas Essentielles vergessen? Das kann doch nicht wahr sein!“

Zum Schluss des Artikels wird die Freude des erwachten Menschenengels beschrieben:

“Der Engel, der gerade aus seiner Trance erwacht, springt auf, als hätte er einen Energieboost bekommen. Er klatscht mehrmals in die Hände, als wollte er eine moderne Lampe einschalten und seinen „Engelsretter“ auffordern, ihm „High Five“ zu geben. Dies gelingt ihm jedoch nicht, da er gleichzeitig vom Boden abhebt und zu schweben beginnt. Ungläubig schaut er sich um, als könne er es immer noch nicht glauben. Dann entfesselt sich in ihm diese engelhafte, unbändige Freude und er schlägt Purzelbäume in der Luft. Oh mein Gott, er hatte doch alles richtig gemacht!”

Der erwachte Menschenengel findet weitere verlorene Engel

Nachdem der Menschenengel aus dem letzten Beitrag endlich erwacht ist, sich erinnert hat und seine Lage als Mensch realisiert hat, beginnt er, unter den Menschen seinesgleichen „verlorene Engel“ zu erkennen. Er versteht, dass sie ähnlich wie er zuletzt, verwirrt sind, Trübsal blasen und sich nicht merken, dass sie immer wieder im menschlichen Leid versinken. Und da, gleich um die Ecke, nimmt er auch schon telepathisch den Zustand des noch nicht erwachten Engelsgesellen wahr. Dem nähert er sich vorsichtig und möchte ihn am liebsten schütteln. Jedoch bleibt er im respektvollen Abstand und beobachtet ihn zuerst, während er sich an eine Schulung erinnert, bei der er lernte, dass allein die Engelsanwesenheit und Aufmerksamkeit schon eine Unterstützung ist.

Der verlorene Menschenengel sinniert über seine Lage

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Einerseits scheint mein Leben aus dem Ruder gelaufen zu sein, andererseits scheint aber auch alles „nach Plan“ zu laufen – was auch immer der Plan sein mag. Ich merke inzwischen täglich kleine Wunder. Ein Schritt nach dem anderen erfüllt mich mit innerer Zufriedenheit, Verwunderung und leiser Freude. Dinge, die ewig unmöglich erschienen, geschehen im Nu, als wären sie schon immer da gewesen, als wären sie das Normalste der Welt.

Da sind sie, diese kleinen Wunder, diese normalsten Dinge, von denen ich immer geahnt habe, dass sie möglich sind, die aber einfach nicht eintreten wollten, als würde jemand meine Geduld, meine Ausdauer und meine Treue prüfen wollen, um festzustellen, wann ich aufhöre zu glauben, zu hoffen und mich zu sehnen.

Und siehe da, sie geschehen jetzt. Was ist passiert? Was ist anders? Habe ich aufgegeben?

Ich würde sagen, ein Teil von mir hat die ewige Hoffnung und Sehnsucht losgelassen und die traurige Möglichkeit akzeptiert, dass er sie nie erfahren wird. Dabei war es eigentlich unsinnig, denn er wusste, dass es all das, wonach er sich sehnt, tatsächlich gibt. Auch wenn es nicht sichtbar, hörbar oder tastbar ist, lebte in meinem Inneren nicht nur eine Vision davon, sondern ein Wissen.

Ich habe nie daran gezweifelt, dass es möglich wäre. Ich wunderte mich nur, warum es mir nicht geschehen wollte. Aber wie sollte es auch geschehen, wenn ich mich permanent ängstigte, dass es möglicherweise nie geschehen würde?

So geschah es also nicht. Entweder, weil ich mich oder Teile von mir gerne ängstigte(n), oder damit ich mich nicht umsonst ängstigte, oder vielleicht auch, damit ich meiner Angst ins Auge sehen konnte.

Es gab also keinen anderen Weg, als aufzuhören, ständig in die Zukunft zu schauen und mich in die Zukunft hinein zu ängstigen, sondern im Jetzt anzukommen und all das anzuschauen, was im Jetzt nicht geschieht.

Kapitulation

Und dann gab es plötzlich eine Überraschung: Nachdem ich das Hoffen auf die Zukunft losgelassen hatte, die all das bringt, was das Jetzt nicht „liefert”, kam ein neues Gefühl hinzu. Ein Gefühl der Angst aus der im Jetzt erfühlten Ohnmacht, der Trostlosigkeit, Mattheit und Unlebendigkeit sowie der daraus resultierenden Erkenntnis, dass es so für immer bleiben könnte. Die große Angst vor der unendlichen Leere, Dumpfheit, Erschlagenheit, Apathie, Aufgegebenheit und Kapitulation.

Erst aus dieser Kapitulation heraus erkannte ich die Scheiße, in der ich saß – oder ein Teil von mir –, und dass er unentwegt hoffte, wenn er es richtig machte, „brav“ war und sich vielleicht sogar noch tiefer eingrub, würde jemand kommen und ihn – und damit auch mich – aus der stinkenden Energiemasse befreien. Dieser Teil spitzt die Ohren, hofft, lauscht und ist auf der Hut, doch es geschieht nichts. Keiner eilt ihm zu Hilfe. Elend. Inneres Elend. Die Vorstellung, von der ganzen Welt vergessen worden zu sein, für einen Haufen Mist gehalten zu werden, unsichtbar, stinkend, unappetitlich – und das ab dem Moment der Erkenntnis, ab diesem bitteren Jetzt, für immer und alle Ewigkeit. Was für ein Scheiß! Das kann doch nicht wahr sein!

Innere Gewissheit

Unabhängig von diesen das innere Selbst zerlegenden Empfindungen und Schlussfolgerungen gibt es gleichzeitig doch diese innere und/oder übergeordnete Gewissheit, dass jemand da ist, der beobachtet und weiß, was zu tun ist – aber er tut es nicht. Er tut es einfach nicht! Warum tut er es nicht? Amüsiert er sich über meine Erschlagenheit und reicht mir nicht einmal den kleinen Finger? Ich bin wütend, immer wütender!

Was mache ich falsch?

Ich versuchte, mich unauffällig bemerkbar zu machen, in der Hoffnung, dass dieser unbarmherzige Beobachter mein Leid und meinen Schmerz sehen und Mitgefühl zeigen würde. Er weiß ganz genau, dass ich seine Aufmerksamkeit erregen möchte, und doch tut er so, als ginge es ihn nichts an. Es scheint, als wäre ich Luft für ihn, doch das stimmte nicht, das wusste ich. Warum, wieso, weswegen – das wusste ich aber nicht. Ich hatte die Gewissheit, dass er für mich da war und ich für ihn. Warum also diese Kälte, diese ablehnende Schulter, dieses Kopfschütteln und Augenverdrehen? Wenn ich etwas falsch mache und er es besser weiß, warum zeigt er mir dann nicht die ganze Zeit, wie es richtig geht, und sagt mir nicht, wo ich falsch liege? Warum steht er nur da mit dem besserwisserischen Blick, dem vorgesetzten Kinn, einem tiefen Seufzer, gelangweilt und doch amüsiert? Was für ein abgedrehtes Spiel!

Wo bin ich denn da gelandet? Wie und wieso habe ich mir diesen Zustand zugefügt, diese verrückte Realität erschaffen? War ich nicht bei Sinnen? Oder war ich auf dem Kopf gefallen? Wollte ich etwas beweisen? Habe ich eine Wette abgeschlossen, wer es länger in einem Misthaufen aushält? Ich?

So etwas tue ich doch nicht!

Ich schließe doch keine Wetten ab! Ich setze mich doch nicht in einen Misthaufen! Aber … warte, das kann es sein! Habe ich etwa zugelassen, dass man einen Haufen Mist auf mich ablädt? Oh Gott! Das scheint mir schon eher ähnlich.

Aber warum habe ich so etwas getan? Welchen Sinn sollte es haben? Und warum sollte überhaupt jemand einen Haufen Mist über mich schütten? Warum sollte ich dann noch weiter darin hocken? Verharren, verweilen und auf fremde Hilfe hoffen?

Oh mein Gott! Kein Wunder, dass der Typ da draußen sich so amüsiert!

Ein Haufen altes, unnützes, stinkendes, faules Zeug fällt über mich herein, und ich soll das einfach so hinnehmen? Und sogar noch etwas damit tun? Glaube ich etwa, dass ich es irgendwie transformieren, erhöhen oder ähnliches muss? Bin ich verrückt? Bekloppt? Oder schäme ich mich nur?

Überwindung der Scham

Vielleicht warte ich aber auch nur auf den richtigen Moment, um rauszugehen, bis keiner mehr da ist, der mich in diesem desolaten Zustand sehen könnte. Mich, den Engel, derart markiert! Solange mir das noch wichtig ist, kann ich ewig nicht herausgehen, schon allein, weil der Beobachter immer da ist. Aber was soll es für einen Unterschied machen? Er weiß, wie es mir geht, wie ich aussehe und wie ich jetzt stinke. Dem kann ich nichts vormachen. Egal, ob ich drinnen oder draußen bin, er amüsiert sich die ganze Zeit über mich, als wüsste er Bescheid.

So oder so schaffe ich es nicht. Ich möchte nicht mit gesenktem Kopf an ihm vorbeigehen! Ich möchte ihm nicht das Gefühl geben, die ganze Zeit über Recht gehabt zu haben und sich über mich lustig machen zu können. Den Kopf zu heben und ihm in die Augen zu schauen, das schaffe ich auch nicht. Bitte, bloß nicht, dass er meine Niedergeschlagenheit, Kleinheit, Verschmutzung, Demütigung, Erschöpfung und Scham bemerkt!

Das kann doch nicht ich sein!

Was ist nur aus mir geworden? Seit wann kümmert es mich, was andere über mich denken? Seit wann sitze ich lieber im Dreck, anstatt an die frische Luft zu gehen, nur damit sich keiner über mich lustig macht? Das kann doch nicht wahr sein! Das kann doch nicht ich sein!

Moment mal … da stimmt etwas nicht!

Ich bin doch nicht ich selbst! Ich meine, ich bin schon ich, aber nicht so … Nicht so kompliziert.

Endlich! Ich ahne etwas!

Ich spüre …

Irgendetwas kommt mir bekannt vor. Das gab es schon einmal! Das kenne ich! Oh Gott, warum hast du mir das nicht gleich gesagt? Jetzt weiß ich es!

Jetzt weiß ich, warum er da draußen so steht und schaut, warum ich es weiß und warum er sich dabei so amüsiert. Was für ein verrücktes Spiel! Wie konnte ich das nur vergessen?

Engel erkennt sich in der Menschenrolle

Das bin doch ich, der da draußen steht. Nicht wirklich ich, aber … ach Gott, ist das kompliziert! Ich erinnere mich: Einst stand ich da draußen und beobachtete, während er hier drinnen saß und nicht raus wollte oder konnte. Ich wunderte mich, rief nach ihm, lockte ihn, grub ihm einen Weg frei, aber er wollte oder konnte nicht raus. Er lag in einem Haufen Scheiße und wusste es nicht einmal. Er saß da drin, niedergeschlagen, aufgegeben, demoliert, und war sich dessen nicht einmal bewusst. Er glaubte, die Welt sei so, wie sie sei: stinkend, klebrig, benebelnd, verklärend, abstoßend, abscheulich.

Was für ein Schauspiel!

Na, wer sagt es denn? Ich spiele anscheinend ein Spiel! Ich spiele ihm vor, wie es einmal war. Ich stecke in der Scheiße, um ihm zu zeigen, wie er es damals tat. Kein Wunder, dass er nur dasteht und sich amüsiert. Er amüsiert sich nicht über mich! Er schüttelt den Kopf und verdreht die Augen, aber nicht über mich, sondern über sich selbst. Er sieht sich, wie er einst geblendet und zugeschüttet war, den Weg nach draußen nicht kannte und deshalb an die verseuchte Welt glaubte. Warum sollte er mir also zu Hilfe eilen? Warum sollte er mir die Hand reichen?

Wie soll mir überhaupt jemand glauben, dass ich freiwillig in einen solchen Haufen Scheiße ging? Das sieht mir wirklich ähnlich! Und diese Angst, die ich dabei hatte! Diese Ausweg- und Hoffnungslosigkeit, diese Tristesse und der Gestank! Ob man mir glaubt oder nicht, es ist wahr: Darin ertrunken, vergaß ich langsam, dass es auch eine andere Welt gibt. Ich verstehe, ich verstehe nicht – es musste sein – wie sollte ich sonst der/die Verlorene in einem Scheißhaufen sein?

Es tut mir leid, ehrlich. Entschuldigt mich, aber ich muss gerade über mich selbst lachen. Ein Lachkrampf erfasst mich. Ich fühle mich so richtig (ge)demütigt – von niemand anderem als mir selbst. Ich muss über mich selbst lachen und darüber, was ich mir dabei gedacht habe, als ich mir diesen Mist über den Kopf geschüttet habe. Was für ein Bild! Und ich soll mich darum scheren, was andere über mich denken, und dass sie mich nicht mehr als Engel erkennen? Zu spät, glaube ich. Ich lache und kann nicht aufhören. Die Bilder meines Selbstmitleids laufen vor mir ab – was für ein Schauspiel!

Ich blicke aus mir heraus und sehe ihn. Und ich verstehe. Ich verstehe ihn. Er schaut mich an und versteht mich und sich selbst. Was für ein Wunder! Es geht nicht anders. Wir beide lachen, halten uns an den Bäuchen, wälzen uns auf dem Boden und Tränen sprießen aus unseren Augen. Es ist unglaublich. Es ist unglaublich befreiend, ein Erkennen aus einem Spiel heraus. Erleichterung, Verständnis, Frieden und Leichtigkeit – das Leben fließt, und es ist doch alles in Ordnung, so wie es ist (vorausgesetzt, ich vergesse es nicht wieder).

© 01/2026 Kristina Hazler

Dieser Artikel ist Teil 9 der Artikelserie: Engelsgeschichten, die aus folgenden Teilen besteht:

1. Die Geschichte eines Engels
2. Ein Engel auf Erden bekommt eine engelhafte Hilfe
3. Ein Engel möchte kranke Herzen heilen
4. Der innere Engel in dieser Welt
5. Ein Engel lernt den Geist von Weihnachten kennen
6. Der Engel kommt endlich wieder nach Hause
7. Der Engel und die göttliche Aufklärung
8. Der Engel und der direkte Draht zu Gott


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