Im Hier und Jetzt sein oder nicht sein?

Dieser Artikel ist ein Teil der Artikelserie
Leben im Hier und Jetzt und das multidimensionale Gewahrsein

Das Hier und Jetzt und das Jetzt-sein sind ein großes Thema in den fernöstlichen Philosophien, das im Westen in der New-Age-Spiritualität ein offenes Ohr gefunden hat. Es klingt irgendwie logisch – dieses im Jetzt-zu-sein, aber! …

Im Jetzt geistig abwesend?

Irgendwann in einem Desillusionierungs- bzw. Aufwachprozess lernen wir uns aus der Distanz als hektische, getriebene und dadurch ausgelaugte, geburnoute Menschen zu sehen. Anschließend machen wir uns Gedanken darüber, warum das so ist. Wir lesen entsprechende Bücher und erkennen irgendwann, dass wir in unseren Gedanken meistens in einer anderen Zeit, nur nicht in der Gegenwart hängen. Die Einen, je nach Alter, Konditionierung und Hypnotisierung eher in der Vergangenheit, die anderen mehr in der Zukunft. Aus den schlauen, wissenden Büchern und mittlerweile auch Youtube-Videos erfährt mancher, warum so Einiges in seinem Leben schief läuft. Schuld soll eindeutig die Zerstreutheit sein. Kaum eine Tätigkeit noch, bei der wir voll geistig anwesend sind. Und das gehört sich so nicht – angeblich. Es klingt logisch, dieses aus dem fernen Osten übersetzte:

Wenn du isst, dann esse. Wenn du schläfst, dann schlafe. Wenn du etwas tust, dann tue das!

Im Hier und Jetzt sein

Nun gut … so zwingen sich auf einmal unzählige Menschen „da-zu-sein“ – im Jetzt oder sogar im Hier und Jetzt und hoffen auf baldige Besserung der Allumstände. Die Sache ist jedoch die … immer mehr Im-Jetzt-sein bemühenden Menschen, gleitet das eigene Leben aus der Hand, der Boden schwindet ihnen unter den Füssen und/oder sie empfinden sich wie in einem falschen Film. Sie retten sich gerade so, von einer Sekunde zu der Nächsten, voll auf das Jetzt-Tun fokussiert und doch spüren sie vor ihrer Tür etwas lauern, was ihnen gar nicht gefällt. Der Nacken wird steif, die Schulter hochgezogen, die Stirn aufgrund verstärkter Konzentration gerunzelt: man muss ja voll im Tun sein, darf nicht nachspüren, was dann (!) geschieht, wenn einmal die Tür aufgeht. Ich frage mich: Wozu haben wir aber den Sinn der (Vor)Ahnung in die Wiege gelegt bekommen?

Und doch, dieselben im Jetzt-sein wollende Menschen wissen, dass die Gedanken, der eigenen Ausrichtung entsprechende Realität gestalten. Aber wie gestalten sie, wenn sie immer nur auf die (in Sekunden gemessenen) Jetzt-Augenblicke fokussiert sind? Der Tag des modernen, angeblich zivilisierten Menschen hat vierundzwanzig Stunden und diese sind bis auf’s Äußerste mit gedanken- und energieraubenden Tätigkeiten gefüllt. Essen, schlafen, kac..n – wir sind froh, wenn wir dazu überhaupt kommen. Unzählige, unverdaute, unverarbeitete Geschehnisse, Gedanken und Emotionen wälzen sich im modernen Menschen während einer sinnvollen oder sinnlosen Tätigkeit. Und dann doch dieses erlösende:

Wenn man staubsagt, dann soll man stausaugen, nur ja nicht mit den Gedanken ausweichen, sondern voll und ganz eins mit dem Staubsauger sein.  

Wenn man einkauft, dann … (mit was wollen wir in so einem Supermarket eigentlich eins sein?)

Klar ist es irgendwie befreiend, sich vom rotierenden, endlosen, nirgendwohin führenden Gedankenmeer zu distanzieren, wegzuschalten, sich davon und von sich selbst im Jetzt zu erholen. Aber …

Ist es dann überhaupt erlaubt nachzufühlen, zu planen, was man sich für morgen, übermorgen kaufen soll, was wird man demnächst brauchen?

Die Visionäre und die aktuelle Realität

Mittlerweile fragen sich viele erschüttert, ungläubig, hilflos:

Habe ich wirklich mit meinen eigenen Gedanken das erschaffen, was jetzt in der Welt geschieht?

Eben nicht!

Aufgrund der Im-Jetzt-sein-zu-müssen-Hypnose wurden Menschen, Visionäre, Zukunftsdenker, Zukunftsgestalter lahmgelegt! Sie wurden auf einen kleinen Moment reduziert und mit unzähligen, gesplitterten, aus dem großen, ganzheitlichen Kontext gerissenen und mit vielen scheinbaren Jetzt-Aufgaben überhäuft und beschäftigt.

Und so geschieht vor der gefürchteten Tür vor allem das, was sich diejenigen in die Zukunft projiziert und manifestiert haben, die keine Scheu davor haben, sich mit den Gedanken außerhalb des augenblicklichen Jetzt zu bewegen. Sie klammern sich höchstwahrscheinlich nicht an das Versprechen der goldenen Zukunft, vom Himmel auf Erden oder das erholsame Paradies nach einem schweren Leben. Paradoxerweise, obwohl sie die Zukunft, unser aller Zukunft (solange wir die Zügel wieder nicht selbst in die Hand nehmen) frei aus dem Bauch heraus gestalten, hängen sie doch weniger in der Ewigkeit und mehr im Jetzt als diejenigen, die all das Richtige im Jetzt zu tun versuchen um dann (!) endlich die Erlösung zu erleben.

Wo ist also der Haken?

Warum leben die schamlosen Zukunftsgestalter mehr im Jetzt als diejenigen, die sich um das Sein im Jetzt bemühen?

Der Sinn von verschiedenen Zeit-Raum-Ebenen

Seltsamerweise stellen sich anscheinend die wenigsten die Grund- bzw. Ursachen- und Wirkungsfrage:

Warum hängt man öfters mit den Gedanken (und/oder Gefühlen, dem Bewusstsein und Unterbewusstsein) in einer anderen Zeit-Raum-Ebene, als dem Hier-und-Jetzt? Im Hier und Jetzt sein oder nicht sein?, Tags: Hier und Jetzt, sein oder nicht sein, geistig abwesend, Vision, Visionäre, aktuelle Realität,

Ohne die Antwort auf diese Frage zu kennen, wird versucht etwas zu korrigieren, zu berichtigen, richtig zu machen, was aber noch nicht verstanden worden ist, warum es so ist, wie es gerade ist.

Wie soll man aber einen Fehler beheben, wenn man nicht weiß wo er ist, bzw. was seine Ursache ist?

Und die Antwort ist meiner Meinung nach so einfach wie banal:

Warum um Gottes Willen sollen wir mit unseren Gedanken, unserem Geist, unserer Seele nicht Ausflüge aus dem selbst oder fremd auferlegten Gefängnis des Alltags und Routine machen?

Warum die Zeit der routinierten Tätigkeiten nicht nutzen um die Seele baumeln zu lassen? Warum sich erst irgendwo am idyllischen Strand, einmal pro Jahr, oder zwei Stunden pro Woche während einer Meditationsstunde gestatten? Warum sich das Sinnieren nicht auch während der Ausübung von Tätigkeiten erlauben, die wir hunderttausend Mal gemacht haben, sie blind beherrschen? Dort wo der Körper bereits alle Handgriffe in und auswendig kennt und diese effektiver und sicherer ausüben kann, wenn wir loslassen, als wenn wir mit unseren großen Augen und langsamen Gehirn versuchen, mit angeblich all unseren Sinnen bei dem dabei zu sein, was eigentlich in ganz anderer Geschwindigkeit abläuft, als uns mit falsch verstandenen Fokus möglich ist?

© 09/2017 Kristina Hazler

Fortsetzung hier -> „Die Visionsarbeit und die effektive Nutzung des Unterbewusstseins

 


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