Kristina Hazlers Buch „Das Experiment – Erwachen im Menschsein“ ist ein fesselnder, intensiver und anspruchsvoller Roman über Selbsterkenntnis und die Suche nach dem eigenen Bewusstsein. Die Geschichte, die sich aus einer Vielzahl spannender Elemente, anschaulicher Beschreibungen und überraschender Wendungen zusammensetzt, bietet Lesern einen hervorragenden Leitfaden und ein nützliches Werkzeug, um das eigene Unbewusste zu erforschen und das eigene Selbst kennenzulernen.
Die Autorin, eine praktizierende Therapeutin, die Bewusstseinstrainings und heilungsbegleitende Therapien anbietet, hat dieses Buch nicht selbst geschrieben, sondern es lediglich gelesen. Dabei durchlief sie verschiedene Ebenen ihres eigenen Bewusstseins und entwarf ein analytisch klares, prägnantes und erschreckend realistisches Bild des Lebens in der modernen materialistischen Gesellschaft.
Kristina Hazler verzichtete bewusst auf detaillierte Beschreibungen des Umfelds und des Aussehens ihrer Figuren, um der Fantasie und den unbewussten Vorstellungen der Lesenden größtmöglichen Raum zu lassen. Sie entwirft eine tiefgründige Charakterstudie, die in die Innenwelt zweier grundverschiedener Menschen eintaucht, die jahrelang in völlig unterschiedlichen Welten gelebt hatten und sich nun auf immer tieferen Ebenen annäherten. Mit viel Liebe zum Detail beschreibt die Autorin faszinierende Erlebnisse, die das Innenleben von Klara und Jan zugleich verbinden und trennen.
Das Buch erzählt eine fiktive, aber dennoch realistische Geschichte, die sich größtenteils in einem abgeschotteten Raum abspielt, fernab der Außenwelt. Das „wirkliche“ Leben findet in unmittelbarer Nähe statt. Die Geschichte ist eine Metapher für Isolation, Ausgrenzung und Gefangenschaft, die – in gewisser Form – in jedem Menschen vorhanden sind, und bietet Anregungen zur Selbstreflexion auf verschiedenen Ebenen.
Die Psychotherapeutin Klara und Jan, der sein ganzes Leben in dem Container verbracht hat, stehen im Mittelpunkt der sich entwickelnden, tiefgreifenden Geschichte. Die Containerwelt eröffnet Klara völlig neue Perspektiven und Möglichkeiten. Sie beginnt, die Welt ganz anders wahrzunehmen als bisher. Eines Tages muss sie sich fragen, wer eigentlich drinnen und wer draußen lebt. Das Experiment wird auch von Forschern außerhalb des Containers beobachtet. Sie wollen insbesondere das Verhalten in einem begrenzten Raum erforschen, in dem Menschen die Welt nur durch Beobachtung kennenlernen können.
Schon vor ihrer Reise in den Container verspürte Klara Anspannung, Unsicherheit und die Erwartung des Unbekannten. Nur Jan lebte dort, in einer Welt, in die ihn seine Eltern gesetzt hatten. Für ihn war dieser Ort eine perfekte Welt voller Träume und Vertrauen in Gott. Er hielt es noch immer für selbstverständlich, seine tägliche Essensration durch ein kleines Fenster von draußen zu erhalten. Eines Tages fielen Strom und Wasser im Container aus, und Jan musste mit diesen ungewöhnlichen Ereignissen zurechtkommen. Er fragte sich, ob dies Gottes Fügung war. Und als er wenig später das Foto seiner verstorbenen Mutter und von Klara im Essensfenster entdeckte, begann er unwillkürlich, nach sich selbst zu suchen. Wer war er wirklich?
Jan drückt seine Träume durch Gemälde aus, bis er eines Tages Klara in einem Container begegnet. Schnell stellt sich heraus, dass nicht Jan, sondern die gebildete und lebenserfahrene Klara Hilfe braucht. Überrascht von Jans unschuldigem, offenem Herzen, erkennt Klara nach und nach, wie unerfüllt ihr Leben bisher war, und geht mit wachsender Beharrlichkeit allen Problemen nach, die aus ihrem Unterbewusstsein auftauchen.
Eines Tages verlässt Klara den Container mit dem Gefühl, dass der beengte Raum ihre eigene Welt ist, die Welt, in der sie bis dahin gelebt hat. Bald beschließt sie, zu Jan zurückzukehren, der ungeduldig und voller Freude auf sie wartet. Sofort prallen zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander: die des zufriedenen und glücklichen Jan und die der unzufriedenen Klara – voller Zweifel an sich selbst und anderen. Warum sind die Menschen da draußen so unzufrieden und unglücklich?
Nachdem sie einige Zeit zusammengelebt haben, beschließen sie, gemeinsam die Welt außerhalb ihres Containers zu erkunden. Voller Erwartungen und Vertrauen brechen sie auf. Doch ein plötzliches, dramatisches Ereignis zerstört all ihre Träume und Hoffnungen. Ohne Vorwarnung werden sie von zerbrochenen Träumen, Tragödie und Schmerz überwältigt. Sie kehren in die Geborgenheit ihres Containers zurück, um etwas ganz Neues zu beginnen – ihre gemeinsame Welt.
Klara, erschüttert und von Schuldgefühlen geplagt, kündigt ihre Stelle bei der Expertengruppe und beschließt, endgültig zu Jan in den Container zurückzukehren. Durch die Gespräche beginnt Jan allmählich, die Außenwelt zu begreifen und seine Naivität und verträumte Denkweise zu überwinden. Auch Klara verarbeitet ihre gescheiterte erste Ehe aus ihrer Jugend, die rein auf Vernunft beruhte, und sinniert über den Verlust ihres ersten Kindes. Beide beginnen, Tagebuch zu schreiben.
Klaras Leben im Container wendet sich schnell zum Besseren. Ihre Wahrnehmung des Alltags ist nun viel positiver und gefestigter, und sie erwartet ein Kind von Jan. Er vertraut weiterhin fest auf das Gute in seiner Welt. Dennoch kommen Klara zunehmend Zweifel, ob ihr Kind im Container geboren werden sollte. Von ihren vielen Reisen in die Außenwelt bringt sie ihm immer wieder Dinge mit, wie zum Beispiel Bücher, und bringt ihm Lesen bei. Sie erklärt ihm, was Geld für die Menschen bedeutet, und erläutert ihm Innovationen und andere Konzepte. Sie versucht, ihn auf die bevorstehende Begegnung mit der Außenwelt vorzubereiten. Sie verkauft Jans Bilder, und von dem Erlös kann Jan verschiedene Dinge aus Katalogen bestellen, wie Pflanzen, die er mit großer Freude in dem kleinen Garten zwischen Container und Wand zieht, Staubsauger oder Fitnessgeräte. So lernt er die Außenwelt weiterhin auf seine unbeschwerte, unschuldige Art kennen, ohne Vorurteile oder Befürchtungen.
Klara verspürt ein inneres Bedürfnis, ihre Vergangenheit intensiver und tiefgründiger zu verarbeiten, insbesondere ihre Beziehung zu ihrer verstorbenen Mutter, ihre Anwendung alternativer Therapien und Behandlungen sowie ihre Entscheidung, ihre erste Schwangerschaft abzubrechen. Von großer Sorge und Angst geplagt und sich ihrer Schwächen bewusst, verliert sie kurz vor der Geburt ihres Kindes das Gleichgewicht.
Sie beschließt, ihr Kind unter ärztlicher Aufsicht außerhalb des Containers zur Welt zu bringen. Erneut verlässt sie Jan und den Container und begibt sich in ein Krankenhaus, um sich untersuchen zu lassen. Dort geschieht etwas Unerwartetes: Klara erkennt ihren behandelnden Arzt, ihre große Jugendliebe Max. Auch er ist überrascht und verwirrt. Nach vielen Jahren beginnen sie, auf allen Ebenen ihrer Gefühlswelt miteinander zu kommunizieren.
Doch eines Tages erwacht Klara. War alles nur ein Traum?
Buchrezension: „ Erwachen im MenschSein – Das Experiment “
Autor der Rezension: Horst Exler





