Der innere Versager und seine Transformation

aus der Reihe: „Das innere Team und die Arbeit mit einzelnen inneren Aspekten

Die anerzogene Unfähigkeit – der anerzogene Versager

Das in unserer Kindheit und Pubertät anerzogene Gefühl der eigenen Unfähigkeit (durch Eltern, Schule, Freunde, Umgebung …) konditioniert uns, zu glauben, welche bestimmten Fähigkeiten und Unfähigkeiten wir haben. Dieses „Urteil“ über uns fällen uns nahe Menschen aus ihren eigenen Fähigkeiten und Unfähigkeiten heraus. Sie können bei den Kindern nur das erkennen, wie weit ihr eigener Horizont/Bewusstsein reicht; nur das, was sie selbst bereits kennen oder nicht kennen, was für sie ein Begriff ist. Und diese ihre Fähigkeit, andere einzuschätzen, basiert selbstverständlich unter anderem auch darauf, wie sie früher selbst eingeschätzt wurden. Dieses scheinbar selbstverständliche Wissen anderer Menschen über uns, zu denen wir in der Kindheit ein natürliches oder auch anerzogenes Vertrauen und/oder Respekt hatten, zu denen wir (teils) wie zu Göttern aufschauten, erzeugt (bei vielen noch immer) eine Art Wand vor dem eigenen Horizont. Selten erlaubt sie uns, weiter zu sehen als diese uns „einschätzenden“ Menschen selbst sehen/gesehen haben. Manchmal geschieht jedoch ein Wunder! Es öffnet sich ab und zu ein inneres Fenster für uns, durch das wir uns endlich, meistens irgendwo in der Weite (aus der gewohnten Position gesehen),   erreichen. Eine Entfernung, die gar keine ist, sondern die einen, unseren, natürlichen Radius darstellt, aus dem wir (aufgrund der wieder anerzogenen Vorstellung, dass Erwachsene mehr wissen und einen weiteren Horizont haben) rausgefallen bzw. aufgrund der beengten Sicht auf uns selbst … die wir nicht mehr gewohnt sind.

Die Transformation des mittelalterlichen Erziehungsgedankens

So stellt sich mir auch die Frage, was eigentlich in Wirklichkeit „Erziehung“ ist und ob nicht die Zeit gekommen ist, von der Vorstellung, Kinder (und auch alle anderen) erziehen zu müssen, abzulassen. Statt dieser mittelalterlichen Form der Disziplinierung und Unterjochung eher zu einer neuen Form der Unterstützung, Begleitung und Hilfestellung im Sinne von „den-Rahmen-fürs-Wachstum-geben“ überzugehen. Nicht selten, aufgrund von diesen noch heute implantierten mittelalterlichen Erziehungsgedanken, fühlen sich viele Männer und Frauen gezwungen, sich später in ihrem Leben, wenn überhaupt, in etwas zu üben, was sie eigentlich automatisch sein sollen. Ob mit Hilfe von Meditationen oder persönlichkeitserweiternden Kursen, Büchern, Begegnungen, aber vor allem dem Leben selbst (Lebensereignisse, Situationen und Herausforderungen), wird ihnen das vor Augen geführt, was und wer sie möglicherweise auch noch sind, außer all dem bzw. ohne all das, wie sie gelernt haben, sich zu sehen.

Das Image, das uns den Platz im Kreise unserer Lieben garantiert, bröckelt

Nicht selten fällt es uns schwer, uns selbst außerhalb des Gewohnten zu erkennen und anzunehmen. Vor allem, wenn uns noch die Meinung und die Annahme der Umgebung wichtig sind, wollen wir doch unser „Image“, unser „angeborenes“ Gesicht, nicht verlieren, das uns auf gewisse, verkehrte Art, den Platz, die Annahme und Liebe im Kreise der „Liebgewonnenen“ garantiert. Wir wollen doch schließlich nicht hören müssen: „Du hast dich so verändert. Ich erkenne dich nicht wieder!“ Aber dies ist häufig eine verkehrte Schlussfolgerung, die verkehrte Logik. Weil … auch, wenn wir uns unserer Fähigkeiten und Potentiale, unseres Radius‘ und unseres Horizontes nicht bewusst sind, sind wir immer wir. Nur weil wir im Laufe des Lebens irgendeine „zusätzliche“ Fähigkeit erkennen und sie bewusst einsetzen, haben wir uns innerlich nicht wirklich verändert. Verändert haben sich nur unsere Teilunbewusstheit zu uns selbst und unsere Wachheit, weil wir in uns selbst verstärkt erwacht sind. Was sich jedoch durch so einen zu sich führenden Prozess tatsächlich verändern kann, ist unsere „Aura“, unser Energiefeld, unsere Ausstrahlung. Durch das Durchbrechen der fremd auferlegten Schranken und des beengten Horizonts  fließen aus unserem Feld energetische Informationen über unstimmige Fähigkeiten[1] und Unfähigkeiten ab, die eine Zeit lang ein pseudopersönlicher Anteil, das Schattenwesen, bildeten.

Die Zeit des „Im-falschen-Film-leben“ ist vorbei

Versager
Der innere Versager

Was die „Angehörigen“ an uns oder bei uns als Veränderung wahrnehmen und was sie nach solch einem Abfließen der „fremden Projektionen“ an uns nicht mehr finden, sind ihre eigenen begrenzten Überzeugungen, die sie auf uns projizierten bzw. uns suggerierten. Diese haben wir aufgrund unserer Identifikation mit in unserem Feld verankert, was eine verzerrte Resonanz (Anziehungskraft) erzeugte und ähnliche, begrenzte, verkehrte Projektionsenergien anzog, bis wir uns schließlich, wie in einem falschen Film oder fremden Leben und/oder Körper – ganz daneben – (emp)fanden. Es sind schließlich all die Energien und ihre Resonanzen, die zwischen uns und dem „erweiterten“ Uns stehen und eine Selbstblindheit, Desorientierung bzw. Be-/Vernebelung und das Gefühl der permanenten Unfähigkeit erzeugen. Einerseits die Unfähigkeit, die auf den gefällten Urteilen der anderen basiert, die dann aber im Gefühl (durch verkehrte Logik) bestätigt wird, weil wir in dem Moment wahrhaftig die eigene Unfähigkeit spüren, uns selbst zu erreichen, zu erkennen, für uns einzustehen. Da wir diese verschiedenen Unfähigkeiten nicht auseinanderdividieren, also nicht als zwei verschiedene Dinge betreffende Gefühle einordnen können, nehmen wir einfach an, es handelt sich dabei um ein einziges Gefühl der eigenen Unfähigkeit und Unzulänglichkeit. Diese gedanklich-emotionale energetische „Eigenproduktion“ legt sich dann über alles, was wir tun und denken (wollen). Und teils ist es gar nicht so verkehrt! Weil … so lange wir ferngesteuert und fremd orientiert sind, also aus fremden Überzeugungen und Resonanzen heraus handeln, tun und zu verändern versuchen, können wir uns „nur“ als unfähig erweisen, weil wir keine wahren Mitteln zur Verfügung haben, um an falschen, verkehrten, fremden „Baustellen“ erfolgversprechend zu werkeln. Verstehen wir es nicht – nicht einmal unbewusst – also geben wir unserer Ahnung verkehrt zu sein nicht nach, erzeugen wir früher oder später automatisch (egal wie wir uns bemühen) Misserfolge und Erfahrungen des Versagens, die eine weitere wesenhafte Struktur innerhalb unseres inneren Teams bilden – den inneren Versager – wessen kraftvolle, energetisiert „unfähige Existenz“ durch die realisierten, selbst erfahrenen Missetaten legitimiert wird.

Die Kraft der Stimme der Unfähigkeit

Die innere Stimme des erfahrenen Versagers in uns wird jedes Mal im Voraus des nächsten Schrittes über das Versagen Bescheid wissen und zusammen im Team mit dem inneren Boykotteur[2] versuchen, uns vom nächsten Schritt abzuhalten, weil er nicht schon wieder (!) versagen will. Und dies ist gar nicht so verkehrt! Der Versager ist eine Kunstfigur der verkehrten Welt. Ein verzerrtes Bild von uns selbst, wenn wir nicht bei uns sind. Erlauben wir uns also, nicht zu versagen! Bei uns, in uns, in unserer eigenen Welt, sind wir die alleinigen Meister und können nie versagen! So erinnert uns die scheinbar einschüchternde Stimme des inneren Versagers, sich im „Zweifelsfall“ an uns in unserer Meisterrolle, an unseren inneren Meister zu besinnen.[3]

Egal wie es bei ihnen gerade läuft. Dies alles bisher Beschriebene ist ein Teil der menschlichen Erfahrung. Das Problem beginnt jedoch dort, wenn, wie im letzten Artikel: „Der innere Engel“ beschrieben, die Zeit gekommen ist, aus den Illusionen der Rollenerfahrungen zu erwachen und zu uns, zu unserer wahren Natur zurückzukehren. Wenn wir das jedoch nicht merken, uns nicht darüber bewusst werden, dass die Vorahnung des Versagens nur mehr ein vergangener Abdruck ist und nichts weiter. Dann fürchten wir uns nämlich aus Gewohnheit und erlebter Erfahrung des Versagens und des Blamierens durch Unfähigkeit, obwohl es diese gar nicht mehr gibt. Und weil es in unserer wahr gewordenen eigenen Welt nichts zu fürchten ist, ziehen wir uns selbst durch die Gewohnheitsbefürchtung in die alte, verkehrte, bereits tausendfach durchquerte Welt zurück.

Damit unsere Wunden der (Selbst)Verurteilung heilen, können wir die 22 Stufen der bewussten Vergebung besteigen und auch den Anteil in uns, den wir als Versager isoliert haben, um Verzeihung bitten. Bedenke sie, die folgenden Zeilen sind kein Gebet und kein Mantra. Es geht nicht darum sie anzusagen, sondern diese ein Schritte nach dem anderen zu verstehen und zu sie innerlich zu prüfen – hat das auch etwas mit mir zu tun? So nehmen sie sich bitte genügend Zeit …

DIE 22 STUFEN DER BEWUSSTEN VERGEBUNG

  1. vergebe denen, die dich verurteilen (verurteilt haben)
  2. vergebe dir, dass du (sie) verurteilt hast
  3. vergebe dir, dass du dich selbst (ver)urteilst
  4. vergebe dir, dass du diejenigen verurteilst, die dich verurteilen
  5. vergebe dir, dass du dich verurteilst, weil du verurteilt hast
  6. vergebe dir, dass du dich verurteilst, weil du dich (ver)urteilst
  7. vergebe dir, dass du, wenn du nicht aus dem Kreis der Verurteilung raus kannst
  8. lasse los …es ist so wie es ist – auch wenn deine Absicht nicht zu verurteilen ist – ist es so wie es ist und du weißt höchstwahrscheinlich nicht, warum das so ist

deswegen:

  1. erlaube dir, dich selbst zu (ver)urteilen und lasse los, es geschieht, was geschieht
  2. erlaube, dir andere zu (ver)urteilen und lasse los, es geschieht, was geschieht
  3. zugestehe anderen all das, was du dir selbst erlaubt hast – erlaube ihnen, (dich) zu (ver)urteilen und lasse los, es geschieht dir nichts, es geschieht, was geschieht – die Tränen der Erleichterung werden frei

und:

  1. vergebe dir, dass du (dir) erlaubt hast
  2. erlaube dir, zu erlauben
  3. erlaube den anderen in dir, sich zu erlauben
  4. vergebe dir, dass du ihnen erlaubt hast, sich zu erlauben
  5. vergebe dir, wenn du dir nicht vergeben kannst
  6. vergebe dir, wenn du (anderen) nicht vergeben kannst
  7. vergebe dir, wenn du dir nicht erlauben kannst
  8. vergebe dir, wenn du anderen nicht erlauben kannst
  9. vergebe dir, wenn du die Vergebung nicht annehmen kannst
  10. vergebe dir, wenn du die Erlaubnis nicht annehmen kannst
  11. lasse los, alles ist in Ordnung so, wie es ist

© 09/2015 Kristina Hazler

 

Die Artikelreihe „Das innere Team und die Arbeit mit einzelnen inneren Aspekten“ besteht aus folgenden Teilen:

  1. Der innere Meister
  2. Der innere Sklave und die unbewussten Codes
  3. Der innere Sklave und die endlose Scham
  4. Das innere (Ego)Kind und die kindliche Maske
  5. Das innere Kind und das Liebesmanko
  6. Der innere Schöpfer und seine schöpferische Depression
  7. Der innere Krieger und der Weg aus der Selbstverletzung
  8. Der innere Boykotteur in der Praxis
  9. Die Transformation des inneren Boykotteurs zum inneren Berater
  10. Das „eigene“ Schattenwesen und die Schattenenergie
  11. Der innere Engel in dieser Welt
  12. Der innere Versager und seine Transformation
  13. Der innere Genius – Es ist die höchste Zeit für eine Geniekultur
  14. Der innere Besserwisser und die Bereitschaft für nächsten Bewusstseinsschritt
  15. Der innere Kritiker – unsere ultimative Prüfinstanz
  16. Der innere (Lebens)Verweigerer und die überraschende Kehrwende

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Fußnoten:

[1] Lesen sie zu diesem Thema auch den Artikel: „Das „eigene“ Schattenwesen“, in dem ich beschreibe, wie uns passieren kann, dass wir an Fähigkeiten in uns glauben, die gar nicht unsere sind und warum es uns manchmal schwerfällt, bestimmte Fähigkeiten trotz des inbrünstigen Wünschens zu entwickeln oder weiter auszubauen.
[2] Lesen sie dazu den Artikel „Die Transformation des inneren Boykotteurs zum inneren Berater
[3] Lesen sie dazu den Artikel: „Der innere Meister

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