Ein Engel lernt den Geist von Weihnachten kennen

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Ein Engel wird zu Weihnachten auf die Erde geschickt

Ein Engel wird auf die Erde geschickt, damit er lernt Menschen und das Weihnachts- und Jesusphänomen besser zu verstehen. Er inkarniert nicht, sondern kann sich frei durch die Zeit und Energien der nahen Menschheitsgeschichte bewegen.

Er macht sich keine Gedanken und fliegt einfach drauf los, das Göttliche wird schon wissen, was es ihm zeigt. Jesus kennt er persönlich, da erwartet er sich keine besonderen Überraschungen – Jesus ist doch Jesus, wie im Himmel, so auf der Erde.  Aber Weihnachten, darunter kann er sich nicht viel vorstellen. Ehrlich gesagt steht er sogar ein wenig unter Druck, wenn man im Himmel überhaupt von Druck reden kann. Demnächst wartet auf ihn nämlich ein neuer Diensteinsatz: er soll dem geheimnisvollen Weihnachtsgeist aushelfen.

Er hofft also, dass er bald alles richtig aufnehmen und verstehen wird. Aber wenn nicht, kann er immerhin Jesus fragen, der soll ja Experte – ach was Experte, der soll in manchen Erdteilen sogar die Hauptfigur des Weihnachtsfestes sein!

Apropos Feste! Nichts mag ein Engel lieber als schöne Feste und Geselligkeit ;)

Ein Engel lernt den Weihnachtsgeist kennen

So fliegt der Engel sorglos erfreut durch die Zeit und schon öffnet sich vor ihm ein Fenster und er sieht Menschen frierend in ihrer einfachen Behausung. Es ist Abend, das Licht einer einzigen Kerze, um die sich die ganze Familie versammelt, erhellt spärlich den Raum. Sie sitzen dicht beieinander, um sich gegenseitig zu wärmen, und erzählen sich Geschichten vom Paradies und einer paradiesischen Zeit, in der von jenem, was der Mensch zu seinem Leben braucht, für alle genug da ist und sogar noch ein wenig mehr, damit sich keiner fürchten muss, dass es für ihn nicht reicht.

Weihnachtsengel: Ein Engel lernt den Weihnachtsgeist kennen

So träumen sie von Betten, die sie die ganze Nacht warmhalten. Sie träumen von Feuer, das nie ausgeht und nicht überwacht werden muss. Sie träumen von Wasser, das beständig direkt bis in ihre Häuser fließt, ohne einzufrieren und ohne in Schwerstarbeit von weit entfernten Brunnen geholt zu werden. Sie träumen von einer Speisekammer, die nie leer wird und immer nach Köstlichkeiten, wie frischem Brot und einer gut nährenden Suppe, duftet. Was für ein Leben wäre das! Und für jeden noch seine eigene Kerze, sein eigenes Licht, damit er lesen und sich bilden kann, wann und wie lange er will! Ach ja, und nicht zu vergessen die Kleidung: saubere, jedem auf seinen Leib zugeschnittene Kleidung, in der er sich leichten Fußes bewegen kann, ohne dabei über den schweren Saum des mehrfach vererbten, viel zu kleinen oder zu großen Mantels zu stolpern.

Der Engel sieht ihre von schwerer Arbeit gezeichneten Körper und einen müden Geist, der keine tieferen und horizonterweiternden Ausflüge wagt und doch fähig ist, sich von einer paradiesischen Märchenwelt verzaubern zu lassen und eine Vision von einer wärmenden Welt zu bewahren, trotz all der Schwere und Kälte im Herzen. Und das Herz, ihr Herz, kennt noch eins: die Hoffnung!

Der Träger und Bewahrer dieser Hoffnung für sie ist Jesus! Kurz bevor das Kerzenlicht erlischt, falten sie die Hände und wenden sich mit einem Gebet an Jesus, um ihn um die Hilfe bei der Verwirklichung der Vision des erträumten Paradieses zu bitten.

Und dann geschieht es! Einmal im Jahr schickt Jesus den Geist von Weihnachten zu ihnen und sie legen sich so gut ins Zeug, wie jedem von ihnen nach dem anstrengenden Jahr noch möglich ist. Mit einfachsten Dingen, die sie auf der Wiese und im Wald finden, schmücken sie ihr bescheidenes Domizil. Frauen kramen letzte Vorräte hervor, die sie schon lange für dieses eine Ereignis aufbewahrten, und zaubern daraus köstlich duftende Mahlzeiten und das ganze Jahr hindurch nicht gesehene süße Überraschungen.

Wie arm und in welcher Bredouille sie auch sind, die Geburt Jesus wollen sie gebührend feiern. An diesem einen Tag im Jahr, im Sinne des Weihnachtsgeistes, erschaffen sie sich ein wenig von dem erträumten Paradies. Geschmückte Wände erstrahlen in mehrfachem Kerzenlicht, im Kamin lodert das Feuer um die Wette, alle legen ihre besten und schönsten Kleidungsstücke an und müde, aber glücklich, versammeln sie sich um den, mit Köstlichkeiten bedeckten Tisch, welche sie während des ganzen Jahres hindurch nicht zu Gesicht bekommen. Nur einmal, an diesem einen Tag, bleibt die Kälte vor der Tür stehen, als ob die tanzenden Schneeflocken fleißig eine schützende Schicht um das Haus der Familie erschaffen, damit die friedliche Besinnung, der weihnachtliche Geist auch bei ihnen einkehren kann.

Weihnachtsgeist, weihnachtliche Stimmung, Heiliger Abend, Köstlichkeiten

Und der Engel sieht, wie sie alle gespannt und mit offenen Herzen auf ein Zeichen Jesus warten. Und da ist es auch schon! Es kommt in Form von kleinen Überraschungen und Geschenken, die sie sich aus Zuneigung und Dankbarkeit zueinander, für das gemeinsame „durch Dick und Dünn Gehen“ überreichen. Es ist nichts Großartiges und doch großartig. Niemand wird vergessen, niemand wird ausgelassen. Und sie lachen und singen, manchmal tanzen sie auch um den grünen Baum, den ihnen der Wald für die Weihnachtszeit geschenkt hat, um mit seinen ätherischen Ölen die heilende Wirkung der Weihnachtszeit zu unterstützen und die heile Geburt des Neuen so gut wie möglich vorzubereiten.

Überrascht sieht der Engel zu, wie an diesem Tag die Wärme des Feuers, der Kerzenschein, der gewürzte Glühwein, das stärkende Mahl, die Süße der Kuchen, die ätherischen Öle des Baumes, die liebevollen Geschenke und die vor dem Fenster spielenden Schneeflocken jedes Gesicht in einem Rausch des Glücks und der Glückseligkeit erstrahlen lassen. Jede Sorge ist in diesem verzauberten Augenblick vergessen, als hätten sie sich in eine ganz andere, glückseligere Welt verschoben, wo ihre Seelen sie viel besser erreichen und von Innen wärmen können.

Auf einmal wird es im Raum bedächtig still, eine innere Besinnung breitet sich aus, während im Hintergrund das Feuer leise knistert. Als will er sie wissen lassen, dass er noch da ist und sie sich nicht einmal um die Wärme sorgen müssen, und alle verstehen, dass die Zeit der Stille und des Nichtstuns und des inneren Lauschens gekommen ist.

Der Engel versteht sofort: an diesem Punkt wird die Arbeit des Weihnachtsgeistes vollbracht. Die Menschen werden wieder auf ihren Weg, in die Obhut ihrer Seele geführt, die erneute Geburt des inneren Jesus in jedem einzelnen von ihnen steht nichts im Weg.

Die verwirklichte Vision?

Kaum wird sich der Engel der Bedeutung des Weihnachtsgeistes bewusst, spürt er von Hinten einen Sog und weiß sofort, seine Reise würde gleich weitergehen, obwohl er selbst noch gar nicht weitergehen will. Viel zu gerne bliebe er in dieser wunderbaren Atmosphäre, so sehr hat er in solch einer kurzen Zeit all die wunderbaren Wesen in sein Herz geschlossen.

Es dauert nur einen kurzen himmlischen Augenblick und die Überraschung des Engels kann gar nicht größer sein, als er sich in einer anderen Erdenzeit orientiert und feststellt, dass er sich erneut bei derselben Familie befindet. Seine Freude ist umso größer als er sieht, dass sie ihre Vorstellung, ihre Vision von einst, vom Paradies auf der Erde tatsächlich verwirklicht haben. Jeder einzelne von ihnen hat alles, was er sich damals so sehnsüchtig gewünscht hat und sogar noch viel mehr. Warmes, gefedertes Bett mit kuscheligen Pölstern und wärmender Bettdecke, isoliertes Dach über dem Kopf, das keine Kälte mehr durchlässt, ausgeklügeltes, automatisches überwachungsfreies Heizsystem, im Haus sauberes Wasser auf Knopfdruck, Licht in jedem Raum, das tausendfach stärker ist als der Kerzenschein, Lebensmittelvorräte, aus denen man Speisen ohne Ende kreieren kann, die ihnen damals nicht einmal im Traum einfielen. Und Kleidung! Oh, sie brauchen für diese sogar spezielle Schränke oder sogar Räume, um sie in der ganzen Vielfalt aufzubewahren. Und das Gute daran ist, in dieser modernen Zeit haben sie all dies nicht nur an dem einen einzigen Tag, sondern jeden Tag des Jahres stand es ihnen uneingeschränkt zur Verfügung.

Wie großartig! – denkt sich der Engel – in jener Zeit hat der Weihnachtsgeist nicht nur an einem einzigen Tag des Jahres seinen Platz in der Welt, nein, er dehnt sich für die Menschen über die gesamte Zeit aus.

Der Engel und der Heiliger Abend, Zeitreise zum Jesus

Aber etwas stimmt da nicht. Aber was? Der Engel schaut, soviel er nur konnte, mit Mühe und reibt seine Augen, und kann es doch nicht sehen. Seiner eigenen Logik nach müssten die Menschen jetzt jeden Tag endlich in der inneren Besinnung leben, da sie doch alles haben, was ihnen einst half, die Seelen in ihre Herzen zu bringen und doch …

Er schaut nochmals und nochmals und kann sich keinen Reim darauf machen. Schließlich entscheidet er sich Jesus um Rat und Klärung zu fragen.

Der Engel fragt Jesus um Klärung

Jesus kommt auch sofort, zwinkert schälmisch, um dem Engel anzudeuten, dass man Menschen nicht immer verstehen kann. Schließlich verstehen sie sich oft auch selbst nicht. Nein, verstehen kann man sie nicht, aber erfahren, ja erfahren kann man sie und doch, trotz der Erfahrung wird man sie noch immer nicht unbedingt verstehen, obwohl man sie verstehen wird ;)

Der Engel denkt, er hat sich verhört. Solche Sätze die keinen Sinn ergeben, ist er von Jesus nicht gewohnt. Also räuspert er sich kurz, um bei Jesus nochmals nachzufragen, aber dieser stoppt ihn mit einer eindeutigen Geste, die gleichzeitig andeutet, er solle ihm lieber folgen, er wolle ihm etwas zeigen.

Okay, das ist wieder Jesus, so wie er ihn kennt. Voll Vertrauen und Neugier folgt der Engel Jesus durch den Zeitraumwirbel bis sich schließlich vor ihnen ein Fenster auftut. Direkt unter ihnen sieht er eine Straße mit vielen Autos und dann eine Unterführung mit einer Stiege. Und dort sitzt ein Mensch, als Bettler gekleidet. Mit Kleidung, die auch ganz gut in die Zeit der damals armen Familie passt.

Der Engel schaut erneut fragend zu Jesus hin. Er meint, er solle sich in den armen Mann hineinfühlen. Und das tut der Engel auch gleich, und vor lauter Schreck wird er fast aus seinem eigenen feinstofflichen Leib katapultiert. Das, was er da fühlt, ist so eine Wucht von Angst, die er so unvorbereitet kaum ertragen kann. Nicht einmal damals bei der armen Familie, die jeden Tag aufs Neue um ihr Überleben kämpfte und kaum etwas besaß, um sich durch den Winter zu schlagen ohne zu erfrieren, hat er solche Angst gespürt. Wie ist das möglich?

Erst jetzt schaut sich der Engel richtig um und sieht eine moderne Gesellschaft mit all den einst gedachten paradiesischen Errungenschaften. Überall genug, um sich das ganze Jahr hindurch warm zu halten und den Körper, gar den Geist und die Seele gesund zu ernähren und zu erfreuen.

Was kann also diesem Mann fehlen? Wovor kann er so große Angst haben?

Die Vorstellungskraft des Engels scheint in diesem Moment an ihre Grenzen zu stoßen. Er blickt erneut zu Jesus und dieser lächelt nur und meint: „Ich habe dir doch gesagt, die Menschen kann man nicht immer verstehen. Und … sie verstehen sich selbst auch nicht. Sieh, dieser Mann hat Angst. Das ist ein Fakt. Sogar große Angst. Er versteht es selbst nicht und er versteht sich nicht. Er war einst ein reicher Mann, hatte materiell alles, was so ein menschliches Herz begehren kann und die Angst in ihm brachte ihn soweit, dass er alles verlor, bis er schließlich hier auf der Straße landete, ohne jegliche Sicherheit, ohne Dach über dem Kopf und ohne die Möglichkeit, sich etwas von jenem Essen zu besorgen, von dem die Regale in allen Supermärkten dieser Welt bis zur Decke und über die Lagerräume hinaus gefüllt sind.“

Der Engel wird sehr traurig …

Heiliger Abend

Auch in dieser Welt ist es kurz vor dem Heiligen Abend. Die Schneeflocken tanzen wie immer unverändert fröhlich in der Luft, aus den Lautsprechern der großen Einkaufszentren tönt in alle Richtungen besinnliche Musik, bunte Lichter säumen die Straßen, der Duft überall präsenter Köstlichkeiten lockt an, Menschen strömen erwartungsvoll in Kaufhäuser, um ihren Liebsten im Sinne des Weihnachtsgeistes und der (altvergessenen) unbewussten Erinnerung Geschenke zu kaufen. Es ist also alles in bester Ordnung, warum sitzt dann aber dieser Mann so einsam verlassen dort, erfüllt mit tiefer Angst, ohne Hoffnung, ohne jegliches Licht in seinen Augen, frierend, während überall die Heizgeneratoren auf Hochtouren laufen. Warum?

Der Engel blickt verzweifelt zu Jesus, aber der steht plötzlich nicht mehr neben ihm. Überrascht schaut er überall nach, aber er kann ihn nirgendwo sehen.

Na gut, denkt er sich. Jesus wird schon seinen Grund haben … Er – der Engel – muss also seine Antwort selbst finden, sonst wird er wahrscheinlich nicht für seinen neuen Dienst zugeteilt.

Nach dieser Überlegung macht es sich der Engel in seiner Beobachtungssphäre bequem, entschlossen, so lange bei dem Mann auszuharren, bis er erkannt hat, was Sache ist.

Kaum ein gutes Plätzchen gefunden, schaut er wieder zu dem armen Mann hin, und was sieht er da? Dieser ist plötzlich nicht allein! Ein anderer Mann, ein weiterer Bettler setzt sich neben ihn. Ha! Das war was! Aber halloo-o?! Er kennt doch den Frischling von irgendwo! Ist das doch nicht … Ist das nicht …???

Jesus?

Obwohl der Engel die strengste Anweisung bekommen hat, sich in der menschlichen Welt während der Beobachtungstour nicht zu verraten, muss er diesmal laut auflachen, was sofort zur Folge hat, dass Wellen von Licht bis in die menschliche Welt strömen und diese einen Augenblick lang so besonders erhellen, dass einige auf der Straße vorbeieilende Menschen für einen kurzen Moment stutzig stehen bleiben, ihre Köpfe heben, als wollen sie den Engel bei seinem Missgeschick erhaschen. Auch Jesus in seinem Bettlerkostüm dreht sich zum Engel um und zwinkert ihm geheimnisvoll zu.

Gut, dass es sich der Engel zuerst gemütlich gemacht hat. Er ahnt schon, dass es jetzt spannend werden würde.

Jesus sitzt einige Stunden schweigend neben dem armen Mann. Dieser scheint sich nach und nach ein wenig zu beruhigen, was ermöglicht, dass er aus der Tiefe seines Leides auftauchen und die Welt um sich herum wahrnehmen kann. Erst dann bemerkt er den anderen Bettler auf der gleichen Stufe neben ihm sitzend. Sofort steigt unglaubliche Wut in ihm hoch: Also sogar des letzten Platzes, der letzten Möglichkeit sich in dieser Gesellschaft am Leben zu erhalten, will ihn jemand berauben! Das ist ungeheuerlich. Er will aufspringen und auf seinen „Konkurrenten“ mit geballten Fäusten losgehen, aber die Kälte und die andauernde innere Angst hat ihn inzwischen gelähmt, seiner letzten Kräfte beraubt. So sinkt er nur resigniert auf seinen Platz. Wer ist er eigentlich? Ein Nichts und Niemand! Er kann sich nicht einmal mehr gegen einen armen Bettler durchsetzen, seine letzte Würde und Rechte verteidigen! Welch ein Versager ist er! Ertrunken in Selbstmitleid wendet er die Augen weg von der Welt und sich selbst, während die Wut und das Adrenalin in ihm noch nachbeben. Dieser Energieschub macht aber möglich, dass ein Stück der Weihnachtsmusik bis zu seinen Ohren durchdringen kann und eine sehr, sehr alte Erinnerung in ihm weckt. Auf einmal kommt in ihm ein seltsamer Gedanke hoch. Er denkt bei sich: „Früher hatten es die Menschen in solchen ausweglosen Situationen leicht. Sie hatten Hoffnung! Sie hatten Gott und sie hatten Jesus! Sie konnten sich in Hoffnung auf Hilfe an Jesus wenden. Aber heute? Wer glaubt denn heute noch an Jesus und seine Hilfe? Wer hat noch Hoffnung?“

Der Engel versteht die Welt überhaupt nicht mehr. Welche Hoffnung? Welche Hilfe?

Die Menschen haben in dieser Welt doch alles, was sie brauchen. Sie könnten sich nun endlich entspannt auf sich besinnen, ihrer Seele und ihrem Geist Freiraum geben und sich endlich mit dem beschäftigen, was ihnen Spaß macht und sich in all dem ausprobieren, was sie sich über die Jahrhunderte erträumt haben. Was soll das Ganze also?

Aus der Unfähigkeit zu verstehen, kitzelt es den Engel kurz so heftig in seiner feinen Nase, dass er so stark niesen muss, dass ein weiterer Energieschub den armen Mann erreicht, der überrascht seine Augen öffnet und zusieht, wie einige Schneeflocken die Wellen des Engelslichts in der Luft nachzeichnen. Kurz denkt er sogar, dass er einen Impuls verspüre zu probieren, doch Jesus um Hilfe zu bitten. „Was für ein Quatsch!“ – denkt er bei sich. „So ein sentimentaler Gedanke kann doch nicht von mir kommen. Jesus?! Pah! Jesus – wenn es jenen überhaupt gibt, dann hat er sicher etwas Besseres zu tun, als sich mit mir abzugeben.“ Den Gedankengang noch gar nicht beendet, hat der Bettler auf einmal das Gefühl als starre ihn jemand an. Er dreht seinen Kopf nach links und … ja klar, die zweite verlorene Existenz dieser Welt – jene lächerliche Karikatur seiner selbst neben ihm – dieser dreiste Obdachlose, starrt ihn scheinbar schon die ganze Zeit durchdringend an. „Was glotzt du so? Kümmere dich um deinen eigenen Kram, und am besten schleich dich woanders hin! Das hier ist mein Platz!“

Da fällt der Engel fast von seinem Hocker. Er hat noch nie erlebt, dass jemand so mit Jesus redet. Er selbst wäre an Jesus Stelle wahrscheinlich derart erschrocken, dass er glatt aufgestanden und weggegangen wäre, so wie dieser Mensch es gerade befohlen hat. In den Engelsschulungen wird einem ja oft genug eingetrichtert, dass man den Menschen nur dann helfen dürfe und könne, wenn sie es ausdrücklich wünschen.

Engelsvorschriften hin oder her, der Engel muss einfach näher bei diesem ungewohnten Geschehen dabei sein. So rückt er mit seinem Himmelshocker knapper heran, was zur Folge hat, dass der Mann selbst zu niesen beginnt und damit die Schneeflocken und wahrscheinlich auch die Gedanken in seinem Kopf aufwirbelt, womit sich der düstere Nebel um ihn herum kurz lichtet. „Ach, was soll´s“, denkt er sich, „vielleicht soll ich doch versuchen zu Jesus zu beten. Ist doch schließlich Weihnachten und mehr als dass nichts geschieht, kann nicht passieren, oder?“ Fast unbewusst und wie beiläufig dreht er sich zu der von ihm vermuteten Konkurrenz und fragt: „Was meinst du Kumpel? Beten wir eine Runde gemeinsam?“

Als habe Jesus nur darauf gewartet, rückt er sofort näher zum Bettler und antwortet nur: „Hey Mann, probieren kann nie schaden.  Aber vielleicht tun wir es einfach, statt nur zu probieren, was meinst du?“

„Das ist aber sooo lächerlich,“ meint dazu der Obdachlose. „Wenn es doch Jesus wirklich gäbe, würde sich dieser wohl nie mit mir und auch nicht mit dir abgeben!“

„Warum nicht?“

„Weil uns nicht mehr zu helfen ist?“

„Wieso meinst du das? Weißt du welche Hilfe du brauchst?“

„Nein, weiß ich nicht.“

„Na siehst du. So kannst du auch nicht wissen, ob es möglich ist uns zu helfen, und ob uns diese Hilfe von Jesus zukommen könnte.“

Der Engel schaut dem Ganzen zu und kann es nicht glauben, dass der Bettler neben ihm noch immer nicht Jesus erkennt. Je näher Jesus zum Mann rückt, umso mehr strahlt er. Das Bettlerkleid ist schon längst von ihm abgefallen und doch scheint ihn der Mann ständig nur als Bettler vor sich zu sehen. Unglaublich, diese Menschen, was sie alles können! Sie können etwas sehen, was nicht da ist, und sie können blind sein gegenüber dem, was so offensichtlich ist

Jesus legt seinen Arm um den Mann und zerstreut dadurch die Wolke der Angst, die den Ärmsten in der Mangel hat, und fragt ihn:

„Glaubst du, würdest du Jesus erkennen, würde er persönlich vor dir stehen? Glaubst du, würde er dir persönlich seine helfende Hand reichen, würdest du diese dann annehmen?“

Der Mann schaut verwundert zu ihm und sagt mit sicherer Überzeugung: „Na klar würde ich es. Darauf warte ich doch schon mein ganzes Leben!“

„Bist du dir sicher?“

„Na ja, so sicher, wie ich glaube, dass es ihn gibt und dass ich es ihm wert bin, dass er mir hilft.“

Der Engel kann das Ganze an seinem Platz nicht mehr aushalten. Am liebsten würde er sofort runterspringen und dem Mann die Augen öffnen und ihm sagen: „Sieh doch, das neben dir ist doch Jesus!“ Aber er weiß, er darf das nicht tun.

Obwohl der Engel noch lange nicht versteht, was Sache ist, spürt er wieder den Sog von Hinten und landet unmittelbar ein weiteres Mal in der gleichen Zeit aber in einem anderen Raum, vielmehr in einer anderen Gegend. Ein prunkvolles Haus, das einigen Mitgliedern der einstigen armen Familie gehört. Gleich in der Einfahrt steht ein riesengroßer Weihnachtsbaum mit weißen Engeln und Schneekugeln geschmückt. Einfach wunderschön anzusehen. Im Haus alles tip-top, überall weihnachtliche Dekoration, Duft von frischem Weihnachtsgebäck, Tisch für das Festmahl geschmackvoll gedeckt. Nur die Menschen fehlen noch, obwohl es schon später am Abend ist.

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„Wo sind denn alle?“, fragt sich der Engel. Er weiß doch, dass ihnen nichts wichtiger ist, als an diesem Abend gemeinsam zu sein und nahe zusammengerückt zu feiern.

Dem Sinn entfremdet

Und da sieht er sie auch schon. Gehetzt und schweißgebadet laufen einige noch schnell durch die Kaufhäuser, bevor diese schließen, und suchen verzweifelt nach irgendwelchen Geschenken für die anderen. Dinge, welche sie hoffentlich noch nicht haben. Andere reisen aus der Ferne an und sitzen gestresst im Weihnachtsstau gefangen, bleiben frustriert, ausgelaugt und mit schlechtem Gewissen auf die Schnelle bei einem Fastfood-Restaurant stehen und stopfen etwas in sich hinein, obwohl sie wissen, dass sie gleich ein opulentes Mahl aufgetischt bekommen. Die Mutter der Familie liegt frisch geduscht und festlich gekleidet, mit einem edlen Makeup im Gesicht, tränenüberströmt auf dem Bett, im Wechselbad der Gefühle. Der Festbraten wird inzwischen kalt. „Keiner mag mich mehr,“ denkt sie bei sich, „keiner respektiert mich oder dieses Fest, die Familie wird auseinanderbrechen, obwohl ich alles von mir gegeben habe, um sie zumindest noch dieses eine Mal zusammenzuhalten.“  Nicht einmal ihr Partner greift ihr unter die Arme. Stattdessen hockt er beleidigt vor dem Fernseher, genervt, dass er wegen so einem blöden, aufgeblasenen Weihnachtsessen – wer braucht das heutzutage noch, wir sind doch alle ständig überfressen – seine Lieblingssendung verpassen wird.

Und dann sind da noch die anderen:

Eine Frau, die sich grämt, weil sie es nicht geschafft hat, für das teure Kleid abzunehmen; ein Mann, der sich schämt zum Festessen zu gehen, weil ihn eben seine Partnerin verlassen hat, die er für den Abend schon stolz angekündigt hatte. Ein Ehepaar, das sich streitet, wer dafür verantwortlich sei, wenn sich die Kinder beim Besuch im noblen Haus nicht entsprechend benehmen; eine Teenagerin, die nichts mit ihrer versnobten Familie zu tun haben will und am liebsten auch an diesem Tag mit ein paar Kids auf der Straße abhängen möchte und nicht zuletzt ein Mittdreißiger, der bald in diese einflussreiche Familie einheiraten sollte,  jedoch aufgrund einer Börsenspekulation alles verlor, was er je besessen hat, samt seiner Selbstachtung und seinem Selbstbewusstsein und der jetzt als (uns bekannter) Bettler auf der Straße lebt, während seine einstige Verlobte die Familie noch nicht über die Auflösung des Eheversprechens informiert hat und auch nicht, dass ein Platz am Tisch leer bleiben würde.

Es weihnachtet oft anders als wir denken

Der Engel traut seinen Augen und Ohren nicht. Das kann doch nicht sein?! Was ist da passiert? Obwohl die Menschen das ganze Jahr hindurch Weihnachten haben, ist ausgerechnet am Heiligen Abend der Weihnachtsgeist von ihnen verschwunden? Sie haben alles und doch keine Spur von Dankbarkeit? Warum tun sie das dann? Dieses Fest?

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Der Engel denkt nach: Obwohl Menschen jetzt alles und alle Möglichkeiten haben, haben sie trotzdem Ängste, sie sind wütend und verzweifelt. Freude, Zuneigung, Dankbarkeit, Liebe, innere Ruhe und Frieden sind ihnen irgendwie entschwunden. Und wie unglaublich es an dieser Stelle auch erscheinen mag, auf einmal versteht der Engel den Weihnachtsgeist! Ja, er hat auch in dieser Zeit, in der die Menschen alles Materielle besitzen, noch seine Berechtigung! Weil sie aber noch in alten Gedanken, alten Erfahrungen und alten Sehnsüchten verhaftet sind, suchen sie die Weihnachtsatmosphäre an der verkehrten Stelle.

Aufgrund ihrer Erinnerungen an früher, was am Heiligen Abend besonders ihr Herz, ihre Seele erfreute, versuchen sie sich auch heute stets aufs Neue mit immer mehr Glitzer, immer mehr Süßem und etwas Besonderem Materiellen zu beschenken in der Hoffnung, den einstigen Zauber und das Wohlgefühl zu erfahren. Und es fällt ihnen schwer etwas zu finden, das bei den anderen noch die Freude von einst hervorkitzeln kann, weil kaum jemandem mehr an etwas Materiellem mangelt. Auch der arme Bettler hatte einst alles, sogar mehr als er brauchte, wusste damit jedoch nichts anzufangen und ohne sich bewusst zu sein, entledigte er sich unter dem Deckmantel einer Börsenspekulation von allem, in der Hoffnung sich dadurch eine Chance einzuräumen erneut spüren zu können, für das Einfache, für Kleinigkeiten, für das Leben dankbar zu sein.

Und der Engel sieht gleichzeitig, wie Jesus aus der Jacke eine Orange holt und sie dem einstigen Manager anbietet. Siehe da, ein Funkeln in seinen Augen lässt kurz sein blutarmes Gesicht erstrahlen. Er nimmt die Orange und … kann tatsächlich dankbar sein. Sein Herz geht auf und plötzlich hat er so ein seltsames Gefühl, als ob … dann verdrängt er dieses aber schnell, damit er sich selbst nicht für verrückt hält. Denn einen kurzen Augenblick glaubte er tatsächlich, Jesus vor sich zu sehen. Bedächtig und in sich versunken schält er die Orange, teilt sie und gibt die Hälfte seinem Stufennachbar, ohne zu wissen, dass er in diesem Moment von dem Wenigen, das er bekommen hat, freiwillig und gerne mit Jesus teilt. Plötzlich erfasst ihn auch noch eine weihnachtliche Euphorie. Der Engel traut kaum seinen Augen, als er sieht, wie der Mann locker aufsteht, als wäre er nicht steif und durchgefroren, und wie er die Hand zu Jesus ausstreckt, damit er ihm helfe ebenfalls aufzustehen. Und er hört ihn fragen: „Was meinst du Kumpel, gehen wir gemeinsam in die Suppenküche? Heute soll es dort besonders warm sein und Weihnachtskekse soll es dort auch geben?“

Jesus nimmt seine Hand freudig an, steht auf und begleitet den Mann in die Suppenküche, wo dieser in der Wärme, mit etwas Gekochtem im Magen und in Gesellschaft den Heiligen Abend verbringen kann, während die Kälte doch auch diesmal vor der Tür bleibt.

Ein Weihnachtsengel im Dienst

Der Engel kann kaum die energetische Wandlung des Mannes fassen – seine Aura strahlt wieder. Am liebsten würde er vor Freude klatschen. Aber er weiß, er ist so nah bei den Menschen, dass sie ihn sofort entdecken würden. Jedoch, wenn er schon so nah ist, kann er nicht mit seinem Engeldasein auch etwas bewirken? Wozu ist er schließlich ein Engel?

Und schon hat er eine Idee!

Er eilt zu dem prunkvollen Haus, setzt sich auf einen der Stühle an dem stilvoll gedeckten Tisch und aktiviert in seinem Inneren all sein Können. All das, was ein Engel so imstande ist. Seine Freude, Begeisterung, Optimismus, Dankbarkeit, Neugier, Vertrauen und nicht zuletzt Engelhaftigkeit. Auf einmal weiß er, was er noch zu tun hat. Egal, was demnächst im Haus und bei der Familie passieren wird, er darf sich nicht aus seiner Mitte, aus seiner Engelsruhe bringen lassen. Seine einzige Aufgabe dort und an diesem Abend, sein (Weihnachts-)Geschenk an diese Familie, die er einst ins Herz geschlossen hat, ist: einfach er selbst, einfach der Engel zu sein.

Und schon öffnen sich die Türen und die ersten Menschen treten ein, mit feierlicher Miene, während sie sich, innerlich verkrampft, versuchen zusammenzureißen, um nicht gleich am Anfang die Stimmung zu verderben und obwohl sie todmüde und reif für das Bett sind, investieren sie ihre letzte Energie, um den Schein zu wahren.

Der Engel sitzt dort am Platz, der sonst leer bliebe, und lässt sich nicht beirren. Er strahlt in freudvoller Erwartung eines besinnlichen und friedvollen Festes, er füllt den Raum mit Zuversicht und engelhafter Wärme. Weitere Gäste kommen herein, die Hände voll mit übergroßen, buntverpackten Geschenken, die sie unsicher unter dem Weihnachtsbaum legen, nicht wissend, ob sie mit dem Wert der anderen Geschenke mithalten können.

Und der Engel atmet wissend den Wert jedes einzelnen dieser Menschen, spürt und lebt die Liebe zu ihnen und auf einmal geschieht ein echtes weihnachtliches Wunder: Ein Friede beginnt sich im ganzen Raum und in den Menschen auszubreiten. Sie lassen ihre Masken los, und obwohl sie vor Müdigkeit zusammensacken, bewegt sich etwas in ihnen. Sie blicken auf, schauen sich gegenseitig an und sehen – auch wenn es nur ein kurzer Moment ist – hinter die Fassade. Ein Stich im Herzen erinnert sie … Sie geben den Widerstand auf, wodurch sich ihre Verkrampfung löst und endlich der Weihnachtsgeist einkehren und sie mit jenem beschenken kann, das für sie in dieser Zeit angebracht ist: Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, Sehnsucht nach sich selbst und der Liebe, die Erinnerung an Verbundenheit und Selbstvertrauen und dass jeder von ihnen in Ordnung ist, so wie er gerade ist.

Schläfrig, mit einer vagen Erinnerung an etwas Bedeutungsvolles, drehen sich plötzlich alle zu einer Stelle und starren in die Leere, als wollten sie erkennen, wer noch der weitere Gast des Abends ist. Jemand steht auf und trotz all der wundervollen Beleuchtung zündet er eine Kerze an und bleibt mit dieser in der Hand bedächtig neben dem leeren Stuhl stehen. Ein angenehmer Schauer und ein Kribbeln erfasst sie. Ein kleines Kind bricht in herzlich-vergnügtes Lachen aus, und fast könnten sie schwören, sie hörten einen Engel niesen … 

Fröhliche Weihnachten und einen engelhaften Heiligen Abend!

© 12/2016 Kristina Hazler

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